Wir gehen zum Strand.

Zwei Kinder untersuchen den Sand mit einem Metalldektor. Am Mülleimer in der Nähe einer Strandbar schlägt das Gerät an.

Mit einem Aufschrei des Glücks und der Vorfreude beginnen sie zu buddeln.

Ich sehe schon die Enttäuschung, wenn sie gleich einen Kronkorken zu Tage fördern.

Der Poet an meiner Seite zitiert den letzten Satz aus der Schatzinsel:

„Die schlimmsten Träume, die ich je habe, sind die, in denen ich aufgeschreckt in die Höhe fahre mit der scharfen Stimme Kapitän Flints in meinen Ohren „Dukaten, Dukaten!“

Ich habe auch alle Folgen mehrfach gesehen, aber zitieren könnte ich nichts.

Wir gehen weiter.

Am Strand liegt eine tote Möwe.

Ich denke an Umweltfrevel und Artensterben.

Er denkt an Jonathan und Flüge und Freiheit.

Bei diesem Objekt sieht er den Oberschenkelknochen eines alten Seemanns, der vor hundert Jahren nach einem rauen Leben auf See eingenäht in ein Leinentuch und zu den Gesängen seiner Kameraden auf einer Planke ins Meer befördert wurde.

Ich sehe das vergammelte Bein eines Plastikstuhls, das sich in den nächsten hundert Jahren nicht auflösen wird.

Ich habe recht, kann mir aber verkneifen, das heraus zu posaunen.

Ich schweige und beneide ihn um seine Wahrnehmung, die immer so viel schöner ist als meine.

Was ist dagegen schon die vermeintliche Wahrheit?

Ich werde mich bessern und denke beim nächsten Fundstück nicht an eine Seebestattung, sondern einfach nur „eine Rose ist eine Rose ist eine Rose.“


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