Es war schon Nachmittag als ich zum Mittagessen einkehrte und vielleicht war das der Grund warum ich der einzige Gast war.

Ein Mann daddelte am Handy, stand auf und wies mir einen Tisch am Fenster zu.

Wieviele Personen?

Eine!

Oh!

Ich bekam die Speisekarte und einen großen Krug Wasser vor die Nase gestellt.

Mit Eiswürfeln! Als wäre es nicht schon kalt genug.

Ich wusste schon, was ich wollte: Dorschzungen!

Eine lokale Spezialität. Kinder und Jugendliche verdienen sich ein Zubrot damit, aus Fischköpfen die Zungen rauszuschneiden. Es gibt sogar Wettbewerbe, wer der schnellste ist.

Die Vorspeise stand also fest und als Hauptspeise dachte ich an die Pasta mit Rentierfleisch in einer Sauce aus Pilzen, Sahne und diesem süßen Karamellkäse.

Ich klappte die Karte zu.

Nichts passierte.

Ich trank Eiswasser und wartete.

Und wartete weiter.

Nach einer gefühlten Ewigkeit machte ich mich auf die Suche nach der Toilette.

Der daddelnde Inhaber legte sein Gerät weg.

Oh, ich habe sie ganz vergessen!

Was wollen sie denn essen?

Ich möchte Dorschzungen und vielleicht Rentierpasta, wenn das nicht zuviel ist.

Das ist zuviel. Lassen Sie die Dorschzungen weg.

Ich bin aber wegen der Dorschzungen hier. Dann nehme ich eine Fischsuppe und die Dorschzungen.

Die Rentierpasta ist besser.

Es ging hin und her.

Ich will Dorschzungen!

Gut, dann kriegen Sie ihre Dorschzungen und ich mache Ihnen eine halbe Portion Rentierpasta.

Gute Idee, das nehme ich.

So konnten wir uns einigen und mussten beide lachen über diese Diskussion vor der Toilettentür.

Die Fritteuse brutzelte und dann kamen sie endlich, meine Dorschzungen.

Ich muss gestehen, ich habe sie schon besser gegessen, sie waren etwas zäh. Die hausgemachte Aioli und Salat mit Röstbrot waren aber sehr lecker.

Als wollte er wieder gutmachen, dass er mich vergessen hatte, kam er jetzt alle Naselang angelaufen.

Ist alles recht?

Schmeckt es?

Die Pasta ist auch gleich fertig

Dann kam meine erste Pasta mit Preiselbeeren statt Parmesan. Eine Offenbarung. Nichts gegen Dorschzungen! Er hatte recht gehabt.

Beim bezahlen wollte ich ihm die üblichen 10% Trinkgeld geben.

Ach was, wir runden einfach nur auf, bestimmte er schon wieder und gab den geringeren Betrag einfach ein.

Diesmal habe ich nicht protestiert.


Eine Antwort zu „Dorschzungen und Rentierpasta“

  1. Avatar von
    Anonymous

    Super Geschichte! Ein hoch auf den Restaurantbesitzer! Danke für beste Unterhaltung 😂

    Gefällt 1 Person

Hinterlasse einen Kommentar