Ausnahmsweise gibt es diesmal keine Fotos, sondern eine Geschichte.

Es war einmal ein Mann namens Hans, der seine Briefe in einer braunen Aktentasche verwahrt hat.

Als Hans offenbar kinderlos starb, ist seine Tasche zweimal beim Entrümpeln gerettet worden.

Ich habe zwar die Aktentasche weggeworfen, die Briefe aber in eine meiner zahlreichen Pappkartons gelegt.

An einen Brief von einem gewissen Ernst Kretschmann habe ich mich jetzt erinnert, denn er wurde 1941 in Harstad geschrieben. Genau da, wo ich jetzt bin.

Damals waren hier die Deutschen und der Briefeschreiber war ein strammer SA Mann in einer Propagandaeinheit.

Aber er war auch ein Künstler, ein Maler, der die Landschaft hier wie folgt beschrieben hat:

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Auf der Bahn 64 Std durchs saukalte Schweden rollend, über die Erzbahn bei Kiruna in Narvik todmüde ankommend, liege ich eine Stunde später in einer Koje im „Norgedampfer“.

Im Spiel der Dünung auf und niedergleitend gleitet der „Kongenen-Ring“den Ofot Fjord entlang, dem Schauplatz der Zerstörer Kämpfe, der Insel Hinnoy entgegen.

Fröstelnd im Morgengrauen stehe ich am Bug und kann mich nicht satt sehen an dieser herrlichen Polarlandschaft-

Gewaltige Bergketten gleiten vorüber, deren Fuß die Meereswellen umspülen und ihre schneebedeckten Gipfel den Himmel küssen-

Und was für einen Himmel, ein Lichtdom voll der unwahrscheinlichsten Farben-

Man könnte besoffen werden von all den Farben-

Die Kutter der Lofotfischer puckern vorüber, Möven schwingen in der Morgenluft und ein Schwarm Enten streicht zur Küste-

Heiseres Tuten signalisiert zum Hafenstädtchen die Ankunft des Dampfers und eine Weile später schlittere ich mit Rucksack und geschultertem Ski das vereiste Fallrepp runter-

Fröhlichen Zuruf der Gebirgsjäger an ihre vom Urlaub kommenden Kameraden vermischt sich mit dem Kreischen der Winden-

Am Pier allerhand neugieriges Volk in Pelzen versammelt, ists doch immer ein Ereignis wenn ein Dampfer anlegt-

Mit Handschlitten und auf Ski stehen die Leute herum, große „Nordensmen“ und plaudern, hier hat man noch Zeit und lachend schäkern unsere Landser mit dem blonden Weibervolk-

Vom Berg herunter an bunten Holzhäuschen vorbei läuft man auf Ski bis zum Pier um einen Fisch von den „Fangsmanden“ einzuhandeln – ist das nicht drollig?

Zitat Ende

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Er schreibt aber auch andere Sachen in einer sehr ausdrucksstarken Handschrift.

Seit ich weiß, dass Ernst Kretschmann heute immer noch Erwähnung findet, lastet der Besitz der Briefe noch mehr auf mir.

Hier ein Beispiel < bitte klicken

Kein Wort über seine Nazikarriere. Würde ich da die Briefe hingeben, würden sie womöglich vernichtet und an andere, die sich daran delektieren, will ich sie erst recht nicht geben.

Wir müssen lernen, zu ertragen, dass nicht alle Nazis Unmenschen waren, schließlich waren es unsere eigenen Vorfahren.

Der „verwundete Narvik Krieger“ zum Beispiel ist richtig ergreifend und selbst die Heldenkrieger sind gut gemacht, auch wenn uns das Sujet befremdet.

8 Monate später ist er übrigens gefallen.

Was wird aus seinen Briefen?


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