
So sahen früher die Krähennester aus, aus denen die Seeleute hoch vom Mast aus Ausschau über das Meer hielten.

So sehen sie heute aus. Mit Tür und Technik.
Mein Zimmer im 10. Stock ist auch eine Art Krähennest.

Von hoch oben schaue ich Tag und Nacht auf den Hafen von Tromsø und mache mir so meine Gedanken.
Von hier aus starteten schon im 19. Jahrhundert die ersten Polarexpeditionen. Mit ihren Pelzkapuzen bestiegen die Seeleute Holzschiffe wie die Fram und fuhren ins Ungewisse.
Wie schön, dass ich das alles noch in der Schule und später gelernt habe.
Die jungen Leute von heute wissen das sicher nicht mehr.
Die haben ja nur noch Google und Chat Gpt. Mal schauen, was Chat Gpt dazu zu sagen hat.
Mist, das ist beängstigend gut:
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Der Morgen, an dem Fridtjof Nansen und seine Mannschaft die „Fram“ aus dem Hafen von Tromsø segeln ließen, begann in einer eigentümlichen Stille. Eine dichte Decke aus Wolken hing tief über den Fjorden, und das Wasser war glatt wie ein Spiegel, als würde es die Ruhe vor der kommenden Ungewissheit einfangen. Der Sommer hatte sich bereits in die ersten Anzeichen des Herbstes zurückgezogen, und eine kühle Brise trug den herben Duft des nahenden Winters.
Die Männer, acht an der Zahl, waren fest in dicke Wolljacken und ölgetränkte Ledermäntel gehüllt. Ihre Gesichter wirkten ernst und entschlossen, doch in ihren Augen lag etwas Unausgesprochenes – eine Mischung aus Erwartung und Furcht vor dem Unbekannten. Sie hatten sich so gut vorbereitet, wie es nur ging. Unter ihren Pelzmützen und Schalwolltüchern verbargen sich Gedanken, die keiner zu teilen wagte. Würden sie jemals wieder norwegischen Boden unter ihren Füßen spüren?
Der Proviant war sorgfältig verstaut. Kisten mit getrocknetem Fleisch, Zwieback und Erbsen standen neben Fässern mit gepökeltem Fisch und Tonnen von Mehl. Sie hatten alles mitgenommen, was für eine monatelange Expedition in das gefrorene Nichts notwendig schien – auch die unzähligen Blöcke aus gepresstem Pemmikan, einer Mischung aus Fett und getrocknetem Fleisch, die ihre Lebensader werden sollten, wenn die Jagd auf frisches Wild in der arktischen Wüste scheiterte. In den Kisten neben dem Schiffsrumpf lagen auch ungewöhnliche Dinge: eine kleine Druckerpresse, um Nachrichten zu verfassen, falls sie je in der Nähe von Zivilisation kämen; wissenschaftliche Instrumente und Tagebücher, die den Verlauf der Sonne, des Eises und der Seele festhalten sollten.
Der Wind frischte auf, als die „Fram“ sich von den letzten Ankerseilen löste und langsam vom Kai wegtrug. Familienmitglieder und Freunde standen am Ufer, ihre Umrisse verschwammen in der Ferne. Einige der Männer blickten nicht zurück, andere hielten den Blick starr auf das Land, das bald nur noch eine Erinnerung sein würde. Über ihnen kreisten Möwen, ihr Klagen vermischte sich mit dem Knistern der Seile und dem Knarren des hölzernen Schiffs. Es war, als würde die Natur selbst sie vor der Reise warnen.
Das Wetter, an diesem Tag noch gemäßigt, versprach dennoch Unruhe. Dunkle Wolken am Horizont kündigten die ersten Herbststürme an, die in der Arktis unbarmherzig auf das Eis niederpeitschen würden. Doch es war nicht nur das Wetter, das die Männer beunruhigte. Sie segelten nicht nur ins kalte Unbekannte, sondern in eine Region, in die kaum jemand je zuvor vorgedrungen war. Was, wenn das Eis sie gefangen hielt? Was, wenn die „Fram“ sich nie wieder aus den Fängen der arktischen Strömungen befreien würde?
Fridtjof Nansen selbst stand am Bug, sein Blick fest auf den Norden gerichtet. Er hatte die Pläne geschmiedet, jedes Detail durchdacht, doch auch er spürte das Ziehen des Zweifels tief in seinem Inneren. Die eisige Weite, die sie erwartete, war ein unerbittlicher Feind. Hatten sie genug Proviant? Genügend Ausrüstung? Was würde geschehen, wenn die Temperaturen noch tiefer sanken, wenn die Dunkelheit der Polarnacht sie einhüllte? Jeder in der Mannschaft wusste, dass die größte Gefahr nicht nur das Eis, sondern auch die Einsamkeit war – das langsame Aufzehren der menschlichen Psyche in der Kälte, fernab von allem, was sie kannten.
Als die letzten Silhouetten der Küste Norwegens im Nebel verschwanden, schien die Welt still zu stehen. Nur das leise Glucksen der Wellen an der Bordwand und das entfernte Rauschen des Windes begleiteten die Männer in die eisige Ungewissheit. Sie hatten keine Angst vor dem Tod – sie fürchteten das Verschwinden. Dass sie nicht mehr sein würden als eine Fußnote in den Annalen der Geschichte, gefangen unter unvorstellbaren Eismassen, ihre Spuren verweht vom Nordwind.