Hätte mich vorher jemand gefragt, ob ich Sonntagmorgen in die Kirche gehen würde, hätte ich mit Sicherheit nein gesagt.
Der Vorteil des Alleinreisenden ist, dass man sich spontan zu allem entscheiden kann.

Auf einem Streifzug durch die Altstadt kam ich an dieser Kirche vorbei.

Die Tür stand offen. Man kann ja mal reingehen.

Im Vorraum hingen Porträts, die im Laufe der Jahrhunderte immer freier im Stil wurden. Demnächst dann als Comic oder mit KI?
Keine Ahnung, was das für Leute sind.
Keine Ahnung, was das für eine Kirche ist.
Keine Ahnung, warum ich die Tür zum Hauptschiff aufgemacht habe und direkt eine junge Frau vor mir stand, die mir lächelnd ein Gesangbuch in die Hand drückte.
Da kann man ja nicht einfach umdrehen.

Ehe ich mich versah, saß ich in der Kirchenbank.
Warum nicht?
Ich versuchte rauszufinden, wo ich gelandet war.
Wenn alle aufstanden, stand ich mit auf. Das spricht für eine katholische Kirche.
Aber warum predigen da 3 Frauen? Doch protestantisch?
Und was sagen sie? Ich verstand nur Moses und Israel. Wie war das noch gleich? Irgendwas mit Auszug aus dem heiligen Land.
Aussagekräftiger waren die Stimmen der Predigerinnen. Eine hatte eine weiche, einfühlsame Stimme, die hat bestimmt tröstende Worte gesagt. Die andere hatte eine harte Stimme und las einem bestimmt gerade ordentlich die Leviten. Die dritte konnte singen wie ein Engel und begleitete die Lieder mit einer hohen zweiten Stimme, das war ein richtiger Kunstgenuss.
„Tak for“, Danke für, verstand ich gerade noch und konnte mir dann selber ausdenken, wofür ich dankbar bin. Das ist eine Menge.
Die Kirche war recht gut gefüllt mit Menschen aller Altersklassen.
Vorne saß eine Gruppe mit einem Täufling, der bei der Zeremonie ausgiebig fotografiert wurden.
Dann kann ich es ja auch mal eben wagen.

So ein Kreuz tragen doch auch nur die Katholiken. Heißt das nicht Monstranz?
Es wurde eine Schweigeminute eingelegt. Wer weiß, wofür. Es gibt genug Anlass.
Dann legte sich eine der Pfarrerinnen einen Talar um und holte ein großes goldenes Ding.
Um Himmels Willen! Bloß kein Abendmahl.
Oh doch! Fast alle gingen nach vorne. Ein junger Mann vor mir guckte sich unsicher um und ging dann doch. Eine Frau neben mir überlegte auch, lies ihren Rucksack stehen und ging nach vorne.

Ein Handy wurde in dieser Dreieinigkeit zurückgelassen.
Ich blieb, wo ich war.
Plötzlich stürmten mehrere Männer in petrolfarbenen Kutten aus dem Nichts nach vorne, bekamen das Abendmahl und gingen schnurstracks wieder raus.
Waren das Mönche? Die sich von einer Frau das Abendmahl geben lassen? Was bedeutet die goldene Blume auf ihrer Brust? Und warum haben die so wenig Zeit?
Einen von ihnen sah ich später in der Stadt wieder. In Skinny Jeans, Chelsea Boots und Tuchmantel. Verwirrend.
„Amazing grace“ war das einzige Lied, das ich kannte. Es klang mit einer Improvisation aus, nachdem sich der Organist vorher deutlich verspielt hatte.
Zum Schluss wurde applaudiert und das Kreuz in die Ecke gestellt.

Es ging zum gemütlichen Teil über und ich konnte endlich ungeniert fotografieren.

Nach dem Gottesdienst gab es noch ein Kaffeekränzchen an extra eingedeckten Tischen im Seitenschiff. Eine gute Idee.

Ein Teil der Taufgesellschaft war in Tracht erschienen.

Die Taufgesellschaft nahm vor dem Fotografen Aufstellung.
Einige waren in Tracht erschienen.
Ich bat auch um ein Foto. (Etwas, das ich mich nur traue, wenn ich allein bin)

Der Onkel des Täuflings.

Die Dame hat extra ihren Mantel ausgezogen. Sie sind zurecht sehr stolz auf ihre Tracht. Sie wird zu allen feierlichen Anlässen ein Leben lang getragen. Was sie mir darüber hinaus noch erklärt haben, hätte ich vermutlich auf deutsch auch nicht verstanden.
Ich hätte viele Fragen gehabt, aber da fehlt mir das Vokabular. Deshalb habe ich auf den Kaffee verzichtet, habe nur eine Kerze angezündet und bin weiter meiner Wege gezogen.
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Nachtrag: Chat GPT sagt dazu folgendes:
Die Domkirche in Bergen, auch bekannt als Bergen Domkirke, gehört zur Evangelisch-Lutherischen Kirche Norwegens.
Am Sonntag, dem 19. Januar 2025, fand in der Bergen Domkirke ein regulärer Gottesdienst statt. Gemäß dem liturgischen Kalender der Norwegischen Kirche wurde an diesem Tag das Fest der Epiphanias gefeiert, das die Offenbarung Christi an die Welt betont. Die Predigt konzentrierte sich auf die Bedeutung dieses Festes und seine Relevanz für die heutige Zeit.
Die Männer in petrolfarbenen, bodenlangen Kutten mit einem goldenen Blumensymbol auf der Brust könnten Mitglieder einer speziellen kirchlichen Bruderschaft oder einer liturgischen Gruppe sein, die im Rahmen bestimmter Gottesdienste oder Zeremonien besondere Aufgaben übernehmen. Solche Gruppen gibt es in manchen lutherischen Gemeinden, insbesondere in historischen Kirchen wie der Bergen Domkirke, die alte Traditionen pflegen.
Das Verlassen der Kirche unmittelbar nach dem Abendmahl könnte darauf hindeuten, dass diese Männer eine besondere Rolle in der Liturgie gespielt haben, die nach dem Empfang des Abendmahls endet. Es ist auch möglich, dass es sich um eine rituelle Tradition handelt, bei der sie sich nach der Kommunion zurückziehen, um in Stille oder Gebet zu verweilen.
