Auf meinen letzten beiden Reisen habe ich jedes Mal zu meiner Freude Prominente getroffen.

Diesmal standen die Chancen schlecht. Der Zug war leer.

Aber Moment mal, wer sitzt denn da links?

Der sieht doch aus wie Eugen Drewermann.

Ich schaue mal genauer hin.

Paderborner Landbrot, Wasser mit Kohlensäure, Vorträge mit Kugelschreiber und kälteunempfindliche Füße. Das könnte hinkommen.

Tatsächlich verrät Google, dass Eugen Drewermann heute Abend einen Vortrag in Jena hält.

Ich google weiter.

Ein suspendierter Priester, Idealist und Asket. Menschen-, Tier- und Friedensfreund, der nun Liebe statt Glauben predigt.

Er hat sich viel vorgenommen.

Mit nicht mehr als 20€ Vermögen zu sterben erscheint mir nur theoretisch erstrebenswert.

Dass mit der Liebe, da hat er wohl recht.

Sitzt da ein moderner Jesus?

Blafft der nicht so los wie ich?

War der Schinken auf meinem Brötchen wirklich nötig? Hätte der Käse nicht gereicht?

Ich komme ins grübeln.

Auf jeden Fall hat der inzwischen 84jährige ein Handy und telefoniert damit im Zug.

„Drewermann hier, der Zug hat Verspätung.“

Das sei ihm zugestanden. Danach ruft er seine Lebensgefährtin an.

Es war ein längeres Gespräch. Mir blieb der Mund offen stehen.

Mit einer Engelsstimme flötete er gute Wünsche und Danksagungen in den Apparat.

Ich konnte mir nur Bruchstücke merken.

In einem Satz nannte er sie erst Muckelchen und dann noch Schätzelein.

Er bedankte sich nicht nur für die köstlichen Brote, sondern auch für die liebevolle Weise, wie sein Muckelchen sie in Papier eingeschlagen hatte.

Sie solle sich schonen und alles würde gut werden.

Will man das? Ich würde aus der Haut fahren, wenn ich so angesprochen würde.

Zuviel Liebe ist auch nix.

Nachtrag:

Er ist respektabel, aber nicht anschlussfähig, brachte es ein befreundeter Theologe auf den Punkt.


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