Im meinem Zimmer funktioniert die Stehlampe nicht. Ich habe das an der Rezeption gemeldet.
Da muss der Haustechniker kommen.
Kann ich nicht einfach die Glühbirne wechseln?
Nein, aber ich könne ja umziehen.
Umziehen? Warum denn das? Gibt es etwa schönere Zimmer als meins?
Ja, gibt es.

Ich schaue jetzt direkt auf den Zwinger und freue mich wie Bolle.

Morgens ging es dann bei einstelligen Temperaturen und kaltem Wind in die Neustadt.
Der Canaletto Blick. Hier soll der Maler sein berühmtes Bild gemalt haben.

August der Starke.
Das Pferd des goldenen Reiters scheut vor den Plattenbauten.

Gleich daneben ist das Museum für sächsische Volkskunst.
Da war ich als Kunsthandwerkerin so richtig in meinem Element.

Weil die „Staatsschatzgräber“ selber nicht genug verdienten, schnitzten sie nach Feierabend Figuren.

Wie kriegt man bitte so dünne Beinchen hin?

Heute verkaufen Frauen hier ihre selbstbemalten Ostereier.
2-3 Stunden sitzt die Dame an einem Ei und verkauft es dann für 4,50€.
Ein Hungerlohn, genau wie früher.

In der oberen Etage ist eine Ausstellung den wenigen schnitzenden Frauen gewidmet.
Eine einzige Dresdnerin macht das heute noch. Der Link führt zu ihrer Seite.

Nach reiflicher Überlegung habe ich mich durchgerungen, am Nachmittag nach Loschwitz raus zu fahren.
In der kleinen Kirche dort wurde die Matthäus Passion aufgeführt. Ein Werk von fast 4 Stunden. Die können lang werden.
Entgegen meinen Befürchtungen war das Ensemble hochkarätig und die Darbietung wirklich bewegend.
In der Pause kam ich mit der Dame neben mir ins Gespräch. Die pensionierte Kunstlehrerin des Ortes wusste einiges zu erzählen.
Wir waren gespannt, was am Ende der Aufführung passieren würde. Man weiß ja, wie die Geschichte ausgeht und daher verbietet es sich, am Ende in lauten Jubel auszubrechen.
Früher selbstverständlich, aber heute wird ja schon in Opern geklatscht, wenn man die Arien erkennt, wusste meine Nachbarin zu berichten.
Der letzte Ton verhallte und der Dirigent hielt seinen Taktstock noch lange erhoben. Dann senkte er ihn und auf sein Zeichen legten die Musiker lautlos ihre Instrumente nieder und verharrten mit gesenktem Blick.
Nach gefühlten 5 Minuten nickte der Dirigent und das Leben kehrte zurück. Vorher hatte noch niemand seinen Mantel angezogen oder einen Mucks gesagt.
Dass das noch so stattfindet, gibt irgendwie Hoffnung.
