
Wie wir so durch den kleinen Hafen in Wremen schlendern, sehen wir, dass an einem Kutter ordentlich Betrieb ist.

Sogar Fischbrötchen werden an Deck gebracht. Der Sache muss man nachgehen.
Es wird eine Ausflugsfahrt für Touristen, die sich über das Internet angemeldet haben, veranstaltet.
Wir fragen, ob wir noch mitfahren können.
„Wenn Sie ne anständige Jacke haben, ja“, war die Antwort.

Vermutlich bezog sich das auf diesen Herrn, der dachte, dass das Wetter noch wie gestern sei, und keine anständige Jacke dabei hatte.
Wir hatten zwar Regenjacken dabei, fanden es aber ziemlich übertrieben.
Es war zwar kälter als gestern, keine 20 Grad und etwas windig, aber das kann doch einen Möchtegern – Seemann nicht erschüttern.
Wie wir uns getäuscht hatten!
Ab Windstärke 6 darf der Kutter nicht mehr auslaufen, wir hatten 5 1/2.
Der fast 50 Jahre alte Kahn hob und senkte sich, die Gischt spritzte über die Bordwand und war bald nicht mehr von den einsetzenden Regenschauern zu unterscheiden.

Wir fanden es herrlich.

Zwischendurch kam immer mal wieder die Sonne durch und trocknete die nasse Jeans.

Das Schiff wird von diesen drei Herren geführt.
Der mittlere war Zeit seines Lebens Krabbenfischer in Wremen, die beiden anderen Kapitäne auf großer Fahrt.

Der eine drehte sich in dem Geschaukel erstmal eine Zigarette ohne sich festzuhalten und erzählte von früher.
Wie ich das liebe!
Früher durfte man noch an Bord der großen Schiffe rauchen, aber nur hinter dem Schornstein, da flogen sowieso immer Funken.
Ein Kollege konnte sich angeblich einhändig in der Jackentasche eine Zigarette drehen.
Der andere Kapitän bestätigte das und ich bekam die nächste Story aufgetischt.
Der eine hatte als Lotse gearbeitet. Da fährt man von einem großen Lotsenschiff, das 60 km vor dem Hafen liegt und auf dem man auch übernachtet, mit den großen Pötten immer hin und her und berät die jeweiligen Kapitäne.
Es ist kein Schichtdienst, sondern Reihendienst. Wer am längsten da ist, fährt mit dem nächsten Schiff in den Hafen. Mal ist viel zu tun, mal wenig.
Wie lange denn das längste sei, das er mal von zu Hause weg gewesen sei, wollte ich wissen.
Einmal, erzählte er, sei er mit einem Schiff aus dem Hafen gefahren und dann sei das Wetter so schlecht geworden, dass er nicht auf sein Lotsenschiff umsteigen konnte und bis Vancouver mitfahren musste.
Dort angekommen durfte er sich nicht mal Vancouver richtig angucken, sondern wurde vom Hafenagenten ins nächste Flugzeug gesteckt.
Ich hätte stundenlang zuhören können.

Aber auch die schönste Fahrt geht mal zu Ende und mit diesen Bildern vom Kutterhafen verabschieden wir uns für dieses Mal von der Küste.


