Humor haben sie ja beim Krabbenkutter Claudia.

Ich hatte mich vertan und online Tickets für eine Fahrt am 24.10. statt 24.09. gebucht. Noch zu Hause hatte ich den Irrtum bemerkt und angerufen.

„In der Woche vom 24.09. fahren sie ja nicht?!“

„Nö, da haben wir nur eine anonyme Seebestattung, wenn Sie da mitfahren wollen?“

Wir hatten herzhaft gelacht.

Heute morgen ging das Telefon. Es hätte sich spontan eine Fahrt um 14h ergeben, ob wir mit wollten.

Weil wir uns ja eigentlich langweilen wollten, hatten wir nichts anderes vor und sagten zu.

Ich zog mein Seemannshemd an, fand noch eine Hein Blöd Mütze in den Untiefen meines Rucksackes und schon saßen wir an Bord.

Es hätte uns zu denken geben sollen, dass uns weitschweifig der komplizierte Wasserlauf erklärt wurde.

Wenn der Wind so stark weht wie heute und das Wasser in die andere Richtung drückt, könnte es schon mal sein, dass das Schiff gegen die Fahrrinne gedrückt würde.

Wir hörten kaum zu.

Das Meer war ruhig, die Sandbänke glänzten in der Sonne und die Fahrrinne war deutlich mit Pricken markiert.

Was soll da schon passieren?

Neidisch schauten die Zurückgebliebenen an Land zu, wie die stolze Claudia auslief.

Wie eine Gallionsfigur stand ich am Bug und genoss die Aussicht. Ein herrlicher Tag!

Doch plötzlich kam die Sandbank immer näher. Ungeachtet der richtungsweisenden Zeichen steuerte das Schiff geradewegs darauf zu.

Der Bug hob sich, ich konnte mich gerade noch festhalten.

Rumms!

Das Schiff hatte aufgesetzt und steckte fast quer in der Fahrrinne.

Die Zurückgebliebenen zückten ihre Handys.

Der Motor heulte auf und das Schiff konnte sich zwar erstmal befreien, musste dann aber wie ein untalentierter Einparker immer wieder auf die Sandbank fahren, um sich in die richtige Richtung zu manövrieren.

Dabei legte es sich manchmal ganz schön auf die Seite, ächzte und knackte, sodass mir trotz des nahen Landes und der geringen Wassertiefe manchmal mulmig wurde.

Schon wieder ein technisches Missgeschick.

Zwischenzeitlich konnte ich viel über die Mitreisenden erfahren und einen Silberreiher fotografieren.

Nach langen 45 Minuten waren wir endlich frei.

Auf offener See kam Wind auf und die Gischt ging über das ganze Schiff.

Der erste Schlag traf einen noch unvorbereitet, danach versteckten sich alle bei immer noch bester Laune hinter einem Aufbau auf der windabgewandten Seite.

So ein Schiff ist eben für Fischer in Wathosen und nicht für Touristen in Jeans gemacht.

Die eigentliche Fahrt entlang des Containerterminals geriet da fast zur Nebensache und die Rückfahrt verlief ohne Zwischenfälle.

Auf Wiedersehen, Claudia!


Eine Antwort zu „Keine Handbreit Wasser unterm Kiel“

  1. Avatar von
    Anonymous

    mehr Abenteuer geht fast gar nicht, oder? Wünsche euch wenigstens etwas Langeweile 🥱

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