
Sieht es nicht gut aus, das Bergen Bors Hotel in der alten Börse direkt am Hafen?
Ich wohne sonst immer im Thon Hotel Rosenkrantz in der zweiten Reihe, ganz normal, lange nicht so hochherrschaftlich wie dieses hier.
Nun war aber dieses günstiger und ich habe mich vom äußeren Schein blenden lassen.
Leider wird das jetzt ein einziger, langweiliger Meckerpost.

Wenn schon ein roter Teppich, dann bitte auch einen Hotelboy, der einem den Koffer abnimmt, damit man den nicht selbst da hoch wuchten muss.
Da wäre mir eine Betonrampe lieber gewesen.

Der verspiegelte Aufzug macht gute Laune.
Aber dann rumpelt man mit dem Koffer ewig weit durch unebene Gänge und ist schon lange in benachbarten Gebäuden mit der Illusion des historischen Eingangs.
Das Zimmer war ungeheizt und das Thermostat alles andere als selbsterklärend.

Das ist der Kleiderschrank. Kein Regal, nichts weiter. Etwas mager für ein 5 Sterne Hotel.
Man lebt also aus dem Koffer, der auf einem Klappständer steht.
Die Minibar ist gut gefüllt. Der Betrag für den gesamten Inhalt wird einem vorab als „Kaution“ abgebucht.
Für ein late check-out wird die stolze Summe von 20€ pro Stunde aufgerufen.
Pro Person stellt das Haus einen Teebeutel zur Verfügung. Das ist noch zuviel, denn es gibt keinen Wasserkocher.
Inzwischen weiß ich, dass man sich mit der Kaffeemaschine das Wasser heiß machen soll.

Das ist die Nachttischlampe.
Wenn man den Schalter am Boden bedienen will, fällt man aus dem Bett.
Es gibt noch eine Schreibtischlampe, da musste ich den Schreibtisch abrücken, um an den Kippschalter zu kommen.
Bei der Stehlampe habe ich den Schalter bis jetzt noch nicht gefunden, obwohl ich alles abgerückt und ausprobiert habe.
Meine Vormieter müssen ähnlich verzweifelt gesucht haben und dabei ist das Lampenglas zu Bruch gegangen.
Aber der Frühstücksraum im Handelssaal der ehemaligen Börse ist wirklich imposant.

Es soll einer der schönsten Frühstücksräume in ganz Norwegen sein. 13 m hohe Fresken von einem Matisse – Schüler in den feuchten Putz gemalt.
Das Frühstück war auch ganz lecker, wenigstens das, was ich mir am ersten Tag ausgesucht hatte.

Irritierend fand ich, dass nichts beschildert war. Das ist nicht nur für Allergiker relevant, nicht jeder möchte Schafschinken oder Rentierwurst essen. Manche Dinge waren auch einfach nicht zu identifizieren.
Die habe ich am zweiten Tag probiert.
Zum Glück konnte ich den letzten Teller ergattern.

Was wie grober Senf aussieht, stand neben dem Obst und entpuppte sich als Chia Creme, vermutlich vegan.

Von dem Kürbis oder Pfirsich habe ich zuviel genommen, denn es waren fettige in Chilioel eingelegte Käsewürfel.

Manchmal sollte man schon genauer hinschauen.

Dann würde einem auffallen, dass man unter einem Monumentalgemälde speist, das zeigt, wie hart arbeitende Sklaven in kolonialer Ausbeutung die Früchte für das Müsli verladen.
Demnächst gehe ich wieder in ein normales Hotel, egal, was es kostet.
