So schlecht war das Wetter noch nie hier in Kirkenes.

Minus 23 Grad damals waren angenehm gegen diesen trostlosen trüben Regen heute bei 7 Grad.

Also keine Hundeschlittenfahrt.

Statt dessen ging es zur russischen Grenze.

„Ich fahr zu Putin“, eröffnete ich dem Lebensgefährten.

„Wieso? Der kommt doch bald zu dir“, konterte er in seiner unnachahmlichen Art.

Diese beiden netten Muslima aus Singapur stellten sich bei jedem Stop an die Tür des Buses und halfen beim aussteigen.

Ist das nicht nett? Dafür haben sie es echt nicht verdient, in einer dieser schrecklichen Kabinen zum reingucken untergebracht zu sein.

Da können sie nicht mal ihr Tuch ablegen.

Keine 20 km sind es bis zur Grenze.

Früher herrschte hier ein reger Grenzverkehr. Jetzt ist die Grenze immer noch offen und nur von Kameras überwacht, aber die Russen dürfen wegen der Strafmaßnahmen nichts mehr ausführen und die Kreditkarten der Norweger funktionieren drüben nicht mehr.

Diese Mitreisende hatte sich gut auf den Ausflug vorbereitet.

„Fuck Putin“, steht auf ihrem Socken.

Danach wurde man mit der eigenen unangenehmen Vergangenheit konfrontiert.

Das kleine Kirkenes war einer der am meisten bombardierten Orte im zweiten Weltkrieg und am Ende komplett dem Erdboden gleichgemacht.

Die Bevölkerung suchte Schutz in einem Bunker.

Damals natürlich ohne Elektrizität.

Das Wasser tropfte einem wahrscheinlich da schon genauso auf den Kopf.

Entsetzlich! Nichts wie raus hier!

Trotz der Zerstörung hat man dem russischen Soldaten ein Denkmal errichtet und legt alljährlich Blumen ab.

Ein in Kirkenes lebender Russe hat davor dieses Auto abgestellt.

Es ist alles ganz schön kompliziert.

Im Hafen liegen immer noch russische Fischerboote. Die Seeleute dürfen noch Königskrabben anliefern, aber nicht mehr an Land gehen.

Die 300 hier verheirateten Russen und Russinnen können ihre Familien drüben nicht mehr sehen.

Selbst die Rentiere, die keine Grenzen kennen, werden nicht mehr einfach so zurück gebracht.

Der einzige Lichtblick war, dass uns die schrecklichen Geschichten von diesem fröhlichen Sami erzählt wurden, der es verstand, das Ganze mit Anekdoten aus dem kleinen Grenzverkehr aufzulockern, die meistens mit Wodka zu tun hatten.

Am Abend wollte ich wie immer in Vardø den Codfather fotografieren.

Und was muss ich sehen?

Alles weiß! Die ganze Streetart ist weg!

Hier zum Vergleich und zur Erinnerung ein altes Foto.

Kann es noch schlimmer kommen?

Ja!

Für heute Nacht ist Sturm angesagt.

Vielleicht wird ja danach das Wetter besser.


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