So, jetzt schütte ich hier mein Herz aus, was alles nicht geklappt hat:
Auf dem Weg von Erfurt nach Dresden wollte ich eigentlich in Leipzig Station machen.
Gottseidank wurde ich noch gewahr, dass Buchmesse ist. So verzichtete ich auf den Einsatz des Deutschlandtickets und buchte den durchgehenden Intercity.
Durch das Fenster sah ich zum Bersten gefüllte Regionalzüge. Dazwischen hätte ich mit meinem Koffer auch gestanden.
In meinem Zug geriet ich mit einer jungen Frau aneinander, die hinter mir quer auf zwei Sitzen schlief und deshalb das Rollo heruntergelassen hatte, was auch mir die Sicht nahm.
Da sie ja schon eingeschlafen war, wagte ich es, das Rollo etwas hochzuschieben.
Hätte sie es mit etwas weniger Schwung wieder herunter geknallt, wäre allen die darauf folgende unwürdige Szene erspart geblieben.
Rollo hoch, Rollo runter, zum Schluss keiften wir uns auf Englisch an.
Ich bestand auf einem Kompromiss und so kamen wir mit halb geschlossenem Rollo in Dresden – Neustadt an.

Neustadt ist ein sehr schöner alter Bahnhof, um mal was Positives zu sagen.

Draußen stehen nur Fahrräder und keine Taxen. Die brauche ich auch nicht, ich kenne mich aus und will jetzt mal mein Deutschlandticket nutzen.
Die Straßenbahn kommt, aber mit einer unbekannten Endhaltestelle. Ich steige ein und frage jemanden, ob die Bahn zum Theaterplatz fährt.
Nö.
Weitere Nachfragen werden mit einem stummen Blick in die Ferne abgeschmettert.
Also steige ich mal besser an der nächsten Haltestelle aus und setzte mich in die Frühlingssonne.
In 8 Minuten kommt die nächste Bahn mit der richtigen Haltestelle.
6 Minuten… 5 4 3 2 1 … und dann verschwindet sie einfach so von der Anzeige.
Na gut, das kann vorkommen.
Bei der nächsten Bahn ist es aber genauso.
Und bei der übernächsten auch.
Die Minuten verrinnen.
Wenn das so weitergeht, kriege ich noch einen Sonnenbrand.
Ich werde langsam unruhig. .
Die Jugendlichen neben mir sind dagegen ganz gelassen und trinken weiter achselzuckend ihren Wodka.
Irgendwann kommt endlich eine Bahn aus der Gegenrichtung.
Ich steige ein und bin nach fast einer Stunde wieder am Bahnhof Neustadt.
Irgendwie gelange ich auf Umwegen zum Hotel und erfahre, dass die Strecke wegen einer Laufveranstaltung gesperrt war.
Na, noch Lust auf die nächste Story?
Schön weiterlesen, ich musste schließlich auch da durch.
Am nächsten Tag sitze ich frohgemut in der Straßenbahn als die Fahrscheinkontrolle kommt.
Kein Problem, ich habe ja mein Deutschlandticket.
Ich öffne die DB – App und erstarre:
„Sie haben keine Tickets.“
App schließen, Handy neu starten, nichts hilft.
Ich werde nervös, der Kontrolleur ist unbeeindruckt.
Ein Albtraum!
Wie oft habe ich selbst schon mitleidsvoll und vielleicht auch etwas geringschätzig auf ertappte Schwarzfahrer geschaut.
Etwas panisch stammele ich deshalb:
„Ich bin doch kein Schwarzfahrer!“
„Das sagt man nicht mehr! Da fühlen sich andere Leute angegriffen“, werde ich belehrt.
Auch das noch! Wie heißt das denn jetzt? Maximal pigmentierte FahrerIn?
Während ich mit gesenktem Kopf ertragen muss, wie meine Personalien aufgenommen werden, kommt mir noch eine Idee.
Ich habe doch zufällig heute mein iPad dabei.
Tatsächlich findet sich da auf der DB App das Ticket und ich bin rehabilitiert.
Nur die sprachliche Entgleisung ist nicht wieder gut zu machen.
