Ich könnte es auch wieder Meckerpost nennen, denn es reißt nicht ab.

Den schönen Bahnhof von Dresden Neustadt kennen wir ja schon.

Dort warte ich auf den Zug nach Görlitz.

Es stehen zwei Zugnummern mit identischer Abfahrtszeit auf der Anzeigetafel.

Einer geht nach Görlitz, der andere nach Zittau.

Es fährt nur ein Zug ein, der von den zahlreichen Fahrgästen gestürmt wird.

Ich stürme mit, ergattere aber keinen Sitzplatz.

Immerhin steht da eindeutig Görlitz.

Langsam spüre ich Unmut in mir aufsteigen über die daddelnden Jugendlichen, von denen keiner im Traum daran denkt, mir seinen Sitzplatz anzubieten.

So habe ich Zeit darüber nachzudenken wie ein Zug gleichzeitig zu zwei Orten fahren kann ohne geteilt zu werden.

Dann kommt die Durchsage, dass man in Bischofswerder umsteigen muss. Der Zug sei auf dem Gleis gegenüber.

Ich hab sowas von den Kaffee auf.

Ich bin es leid mit diesem Deutschlandticket und überfüllten Regionalzügen, ich will einen Intercity mit Platzreservierung!

Kurz vor Bischofswerder heißt es dann, der Zug liefe nun doch auf einem anderen Gleis ein.

Natürlich am anderen Ende des Bahnhofs.

Wieder stürmen.

Ich habe weniger als 10 kg dabei und schaffe es mit meinen kaputten Knien trotzdem kaum, den Koffer die Treppen rauf und runter zu schleppen.

Vielleicht kommt meine Wut auch daher.

Im Zug nach Görlitz ergattere ich einen Ausklappsitz gegenüber der Toilettentür.

Reger Betrieb.

Eine alte Frau kommt mit einem Pappbecher in der Hand und rappelt an der Toilettentür.

„Da ist besetzt“, erkläre ich das Offensichtliche.

„Ich will Wasser!“

„Ist trotzdem besetzt“

Wie lange noch?

Hat er nicht gesagt.

Ich will Wasser!

Ein junges Mädchen bietet an, etwas aus ihrer Flasche abzugeben und gießt ungelogen weniger als ein Schnapsglas in den gierig hingestreckten Becher.

Reicht das?

Nein.

Also noch ein Schlückchen.

Mittlerweise verlässt der Herr mit vermutlich ungewaschenen Händen (es hat nur einmal gerauscht) die Toilette und der Becher kann aufgefüllt werden.

Als die Dame aus der Tür tritt, fragt sie mich, aus welcher Richtung sie gekommen sei.

Ich weise ihr den Weg und erkenne, dass man auch noch in desolaterem Zustand als meinem auf Reisen gehen kann.

Ohne weitere Zwischenfälle kommen wir in Görlitz an.

Auch da ist der Bahnhof sehr schön.

Was nicht so schön ist, ist der hohe Einstieg der Straßenbahnen.

Ich gestehe, dass ich eine habe fahren lassen, in der Hoffnung, dass die nächste einen niedrigeren Einstieg hat.

Pustekuchen, die sind alle so.

Die nächste war dann so voll, dass die Leute direkt in der Tür standen mit diesem abweisenden Blick wie „die will ja wohl nicht auch noch zusteigen“, was mir die Gelegenheit gab, den Blick zu erwidern und zu sagen „Hier, nehmen Sie mal meinen Koffer“ und mich rücksichtslos darein zu quetschen.

Wie schnell man doch verrohen kann.

Von Görlitz geht es mit der polnischen Bahn weiter nach Breslau.

Hier gibt es nur Gutes zu vermelden.

Ich war so mutig, eine polnische App herunterzuladen und eine Seniorenfahrkarte zu kaufen.

Zahlen mit Apple Pay, Karte ins Wallet, es klappte perfekt!

Gespannt wartete ich auf die Abbuchung für die über zweistündige Fahrt.

7,16€

Da kann man nicht meckern.

Die Züge sind sauber, pünktlich, haben Strom, Wlan und vor allem ausreichend Sitzplätze.

Ist das nicht ein herrlicher Anblick?

Lesende Menschen!

Es ist doch kein Meckerpost geworden.


Hinterlasse einen Kommentar