Nun bin ich endlich am Ziel meiner Reise angekommen.

Der Breslauer Bahnhof sieht aus wie aus 1001 Nacht.

Die Frauen am Bahnsteig sehen aus wie aus einem japanischen Manga Comic.
Ich gehe in die Markthalle.

Keine Cosplayerin, sondern nur eine Dame mit Fahrradhelm.

Abgesehen von lokalen Produkten entdeckt man auch unerwartete Dinge aus der Heimat

Ich suche nach einem originellen Mitbringsel.

Gänseeier!
Keine Ahnung, was ich damit machen will, aber es sieht schön aus.
Es wird auf jeden Fall eine Herausforderung, sie nach Hause zu transportieren.

Man sieht hier nicht nur rosa Cosplayerinnen, sondern auch im krassen Kontrast viele Ordensleute.
Das hier ist eine Benediktinerin, sagt mein neuer Freund Chatty.
Obwohl er sonst oft daneben liegt, scheint er sich damit auszukennen.
Schwarze, kontemplative Nonnen wie diese Benediktinerin leben im Konvent.

Die grauen Franziskanerinnen leben nicht unbedingt im Konvent und dürfen sich weltlicher mit Winterjacke und Turnschuhen kleiden.
Sie widmen übernehmen viele soziale und pflegerische Aufgaben.
Franziskanermönche kannte ich bisher nur von der Bierreklame.

Hier sah ich mal einen jungen schlanken.
Zum braunen Gewand trägt man eine Kordel um den Bauch und Sandalen. Auch im Winter.
Gegenüber der Markthalle liegt die St. Vinzenzkirche.

In dem hellen Anbau stand die Tür offen
Einmal auf dem Religionstrip ging ich rein und geriet mitten in einen Gottesdienst.

Ich drückte mich hinten in eine Kirchenbank und versuchte, dem Geschehen zu folgen.
Wenn alle aufstanden, stand ich mit auf.
Bekreuzigen will ich mich nicht und auf den Boden knien kann ich mich nicht, also duckte ich mich, lauschte den monotonen Gesängen und beobachtete den weihrauchschwenkenden Priester.
Verstanden habe ich natürlich auch nichts, aber es war eine große religiöse Inbrunst zu spüren.
Heimlich ließ ich meinen neuen Freund C. teilhaben und er erklärte mir, dass ich in einer ukrainischen Kirche gelandet sei.

Den Mann vor mir kann ich mir gut in militärischer Kleidung vorstellen.
Was hat er wohl erlebt?
Und die alten Frauen, die sich da zu Boden warfen?
Da war nicht nur tiefe Frömmigkeit, sondern auch das Grauen des Krieges zu spüren.
Später recherchierte ich:
Es gibt tatsächlich eine ukrainisch-griechisch-katholische Kirche.
Sie hat Diözesen in der ganzen Welt und gehört zur römisch-katholischen Kirche. Die Gottesdienste sind aber nach byzantinischem Ritus.
Sie erkennen den Papst an, küssen aber auch Ikonen.
Es gibt sie schon seit dem 16. Jahrhundert
Nach dem Krieg und zur Sowjetzeit konnte sie nur heimlich praktiziert werden, daher die besondere Gläubigkeit.
Der Gottesdienst ging ewig. Irgendwann wurde mir das ständige Auf und Nieder zuviel.
Da war eine Nonne mit einer steifen zylinderartigen Haube. Sie stand einfach auf und ging.
Ein anderer Mann tat es ihr gleich und ich schloss mich an.
Die ostkirchlichen Gottesdienste sind sehr lang und keine Veranstaltungen, bei denen man bis zum Schluss bleiben muss, erklärt mir mein neuer Freund später.
Hoffentlich hat er recht.
