Liegt es eigentlich an mir, dass ich in jeder Stadt was zu meckern hab?
Diesmal habe ich mein Apartment auf dem Kieker.
Auf der Werderinsel ist ein moderner Gebäudekomplex errichtet worden. Die Apartments sind fast gleich eingerichtet. Bei meiner üblichen Vermieterin war nichts mehr frei, ich musste ein anderes nehmen.
Erschöpft von der Reise stehe ich vor der Tür, gebe den Code ein, ziehe an der Tür und es tut sich…. nichts!
Nochmal und nochmal…der Automat spricht polnisch und die Tür bleibt zu.
Zum Glück kommt eine Frau und erbarmt sich meiner. Sie spricht kein Englisch, sondern nur Italienisch.
Statt wie früher mit Händen und Füßen, verständigt man sich heute per Chat GPT.
Meine Nummer sei falsch, sie gibt mir ihre und wir gehen ins Haus.
Der Wohnungsschlüssel ist in einem Kästchen und ich trete ein.
Auf den ersten Blick ist alles wie erwartet.
Ich setze mich aufs Sofa und ein unangenehm süßlicher chemischer Geruch steigt mir in die Nase und zieht meine Bronchien zusammen.
Da wurde mit irgendwas gesprüht und zwar nicht zu knapp.
Ich öffne die Balkontür, bringe bei der Gelegenheit auch gleich die Duftstäbchen raus und setze mich im kalten Luftstrom auf einen Küchenstuhl.
Na super!

Erstmal raus hier.
Ich lasse die Balkontür offen und gehe in die Altstadt.
Beim erstbesten Asiaten hole ich mir was zu essen.
Der Laden ist leer. Ich beobachte, wie meine Sushirolle gemacht wird.
Der junge Mann sieht eher aus wie ein Student mit Nebenjob als wie ein Sushimeister.
Er arbeitet mit dem Rücken zu mir, dreht sich dann um und greift mit bloßen Händen in die Ingwerscheiben.
Die essignassen Hände streift er sich wie ein Kind an seinem schwarzen Oberhemd ab.
Später sehe ich, dass sich auch das Wasabi mit dem Finger in die Box geschmiert wurde.
Angewidert gehe ich zurück zum Appartment und gebe den Code der Italienerin ein.
Es tut sich…nichts.
Diesmal erlöst mich ein Lieferando Bote.
Wie soll das bloß weitergehen?
Ich versuche, die Vermieterin zu erreichen.
Es geht keiner ran.
Ich schreibe eine freundliche Nachricht.
Als Antwort kommt lediglich der Code.
Dass man nirgendwo mehr wen zu Gesicht bekommt, ist ja ok, aber dann sollte man doch wenigstens verbal etwas bemühter sein.
Ich schreibe eine nicht mehr ganz so freundliche Nachricht.
Ich solle mich an den Hausmeister wenden, ist die Antwort.
Darum kümmer ich mich morgen.
Gottseidank ist die Bettwäsche nicht parfümiert.
Ich versuche etwas Sushi ohne Wasabi und Ingwer zu essen, schaue vergebens nach einer anderen Unterkunft und schlafe bei offener Balkontür ein.

Am nächsten Morgen freue ich mich auf einen heißen Tee.

Das ist kein Rauhreif von der kalten Luft, sondern Kalk im Teekocher.
Schönen Dank!
Ich will Wasser in einem Topf kochen, der ist aber nicht für Induktion geeignet.
Die ganze Bude steht voll mit den abenteuerlichsten Chemikalien in allen Farben, aber Essigreiniger scheinen sie nicht zu kennen.
Ich war dann in einer georgischen Bäckerei frühstücken.

Das war schön.
Aber da war ja noch die Sache mit der Haustür.
Wieder alle Nummern erfolglos ausprobiert.
So blöde kann man doch nicht sein! Bei der anderen Haustür hat das doch auch immer geklappt.
Der Hausmeister spricht nur polnisch und weil ich das schon hatte kommen sehen, habe ich gefilmt, wie ich die Ziffern eingebe und ihm das vorgespielt.
Er geht mit mir zur Tür, gibt die Zahlen ein und kann die Tür aufziehen.
Ich bin sprachlos.
Das Geheimnis war, dass sie klemmt und man richtig feste ziehen muss.
Wie peinlich.
Ich bin eben zu sanft für diese Welt.
Am nächsten Tag hatte ich mich wieder bekrabbelt.
Die frische Luft nachts tut gut, der Duschkopf ist nagelneu, gleich hinterm Haus hat ein Café aufgemacht, wo man prima frühstücken kann und einen anderen Asiaten mit guten Suppen habe ich auch gefunden.

Statt Tee trinke ich, was im Kühlschrank ist und schaue Skispringen.
Muss auch mal sein.

Auch einen Nachtisch habe ich besorgt.
Sehr raffiniert und lecker.
Wenn ich schon Gänseeier mit nach Hause nehme, könnte ich es hiermit ja auch versuchen.
Morgen geht es nach Hause.
Jetzt reicht es auch langsam.
