Ich habe es getan!
Wider alle Vernunft habe ich einen Flug nach Kirkenes in Nordnorwegen gebucht. 3400 Einwohner, 10 km von der russischen Grenze und gut 200 km von Murmansk entfernt.
Zu einer Zeit, in der der Niederschlag noch als Regen fällt und die Herbststürme die von dort startenden Hurtigrutenschiffe ordentlich durchschütteln.
Irgendwas zieht mich dennoch dahin.
Heute morgen ging es los.
Der Dortmunder Hauptbahnhof morgens um 8 ist bedrückend. Vorbei an Polizei und zitternden Junkies tritt man vor die Abfahrtstafel.
Der geplante Zug nach Düsseldorf fällt wegen Personalmangels aus, aber ein anderer hat Verspätung und ist entsprechend voll.
Ich bin froh, einen Sitzplatz ergattert zu haben und beginne einen Socken zu stricken.

„In wenigen Minuten erreichen wir Düsseldorf Flughafen.“
Ich packe meine Sachen und muss feststellen, dass man mit Höflichkeit den Ausgang durch die auf dem Boden sitzenden Passagiere nicht erreicht und pflüge mit meinem Koffer rücksichtslos durch.
Geschafft!
Der Skytrain bringt mich zum Terminal A
Der Abfertigungsschalter ist schnell gefunden und ich bin meinen Koffer los.
Jetzt erstmal frühstücken, Kaffee trinken und stricken.

Weiter zur Sicherheitskontrolle. Die Anlage fällt plötzlich aus und man lässt nur noch Business Passagiere durch.
Es geht treppauf treppab zu einem anderen Terminal und wieder zurück.
Meine Boots werden durchleuchtet und in meinen Hosenbeinen und Socken nach Sprengstoff gesucht. Ja, die fassten tatsächlich in mein Fußgewölbe.
Pünktlich hebt der Flieger ab und ich kann an Bord weiterstricken

4 Stunden Aufenthalt in Oslo.
Neben den üblichen Souvenirläden und Restaurants gibt es viele ruhige Ecken, in denen man sich richtig erholen und auf die Fersenabnahmen konzentrieren kann.

2 Stunden dauert dann der Flug nach Kirkenes.
Der Vollmond steht am Himmel und spiegelt sich in den Seen und Flüssen.
Meine Sitznachbarin hat einige Jahre als Naturforscherin mit den Sami zusammengelebt.
In Kirkenes erwartet einen ein ausgestopfter Bär am Gepäckband und der Bus des öffentlichen Nahverkehrs direkt vor dem Terminal.
Der Fahrer moderiert launig wie ein Fremdenführer und fährt die Passagiere über die von Raureif vereisten Straßen dahin, wo sie hin müssen.
Die Straßenschilder sind noch zweisprachig, aber die russische Botschaft ist geschlossen und der kleine Grenzverkehr ist zum Erliegen gekommen.
Im Hotel dann noch mit einer sehr netten Dame zu Abend gegessen, die zum ersten Mal allein reist und der das wohl auch ganz gut gefällt.

Ich bin jetzt fertig, aber die Socke noch nicht
