Dresden macht es mir nicht leicht. Ich wohne mitten in der Altstadt zwischen all den berühmten Sehenswürdigkeiten und all den vielen Menschen, die sie bestaunen.
Das ist mir zuviel des Guten.
Ich muss mir was einfallen lassen.

Ich gucke mir den Zwinger ohne Menschen an.
Morgens um 6 von der Rooftop Bar meiner Unterkunft. Nur die Putzfrau und ich.

Ist das nicht herrlich?
Hier habe ich die Ruhe, um mir die Geschichtsträchtigkeit dieses Ortes mit all seinem Prunk und Leid vorzustellen.

Ich gehe runter auf die Straße.
Freie Sicht auf die Semperoper.

Die ersten Sonnenstrahlen fallen auf die noch leeren Bänke.

Die Frauenkirche ist leider noch verschlossen.

Auf dem Platz davor warten schon Tische und Stühle auf den bevorstehenden Ansturm.
Was könnte ich denn bei diesem schönen Wetter unternehmen?

Eine Bootsfahrt mit einem Schaufelraddampfer?
Am besten, ich hau ab, bevor die Busse kommen.

Vom Bahnhof Dresden Neustadt geht es nach Meissen.

Ich mache einen Bogen um Albrechtsburg und Porzellanmanufaktur und setze mich zu den anderen Rentnern unter die blühenden Kirschbäume auf den Marktplatz.
Prompt setzt sich eine Dame neben mich.

Während ich das unzeitgemäße Beinkleid des Herren in der Mitte bestaune, erzählt sie, was Rentner so erzählen.
Von den Kindern, den Reisen, der Hüft-OP und den Balkonpflanzen, die sie gerade beim Vietnamesen gekauft und noch eine Banane dazu geschenkt bekommen hat. (Hoffentlich hilft die Freundlichkeit des Verkäufers den hohen AFD Anteil zu senken)
Wenn sie zum Friseur geht, geht sie anschließend immer im 4 Jahreszeiten Mittagessen, da schmeckt es am besten.
Das lasse ich mir nicht zweimal sagen.

Schon auf dem Hinweg war mir der kleine Biergarten am Wasser aufgefallen.

So esse ich im Tshirt den ersten Spargel der Saison.
Kulturell bin ich bisher noch nicht besonders weit gekommen, lukullisch schon.

Um das zu ändern mache ich zurück in Dresden eine Stadtrundfahrt, um mir erstmal einen Überblick zu verschaffen.
Es ist die letzte Tour, es ist schön leer und ich ergattere den Platz ganz vorne.
Das war ein richtig schöner Tag, aber er war auch anstrengend.
Als ich beim Ticketkauf den Seniorenrabatt geltend machte, wurde der nicht nur ohne Nachweis akzeptiert, sondern ich wurde auch noch nach einem Behindertenausweis gefragt.
Während ich das sofort auf meinen plumpen Gang wegen der wehen Knie zurückführte, tröstete mich der ansonsten beste Mann von allen mit den Worten: „Ach, das hätte ja auch eine geistige Behinderung sein können.“
