Heute sind Rüdiger und ich mal getrennt losgezogen.

Er ist auf den Spuren Franz Kafkas gewandelt, ich habe eine Bootsfahrt auf der Moldau gemacht.

Vorher sah ich diesen Herrn in seiner Reisegruppe.

Er saß auf seinem Rollator und hielt die Hände fest an den gesenkten Kopf gepresst.

Schläft er oder hält er sich die Ohren zu?

Leider war ich mit der Kamera zu spät, da hatte seine Frau ihn schon angestoßen, dass es jetzt weiter geht.

Er erhob sich mühsam und grinste wie angeknipst.

Ich musste lachen.

Er bemerkte das und grummelte zu seiner Frau etwas wie: Ja, jetzt lachen sie, sollen sie doch selbst mal sehen wie es ist, wenn man alt ist.

Das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen und sagte ihm, dass ich seinen Ausdruck so hätte nachempfinden können und deshalb lachen musste.

Er schaute mir erstaunt in die Augen und erkannte eine Seelenverwandte.

„Sie erzählen mir ALLES über Prag!“, stöhnte er.

Ich nickte mitleidig.

„Deshalb bin ich allein unterwegs“.

Er legte mir gerührt die Hand auf die Schulter und lächelte wehmütig.

Das hätte er wohl auch am liebsten gemacht, schafft es aber nicht mehr.

Es gibt auch richtig bedauernswerte Touristen.

Dabei ist Prag so schön.

Ich habe bestimmt 100 Fotos gemacht und 90 wieder gelöscht, weil sie alle gleich schön und langweilig waren.

Die Karlsbrücke habe ich bisher nur von unten gesehen.

Ich glaube, das reicht auch.

Das Schiff war schön leer und fuhr ganz leise und langsam zu den Klängen von Smetanas Moldau eine entspannte Stunde lang an den Sehenswürdigkeiten vorbei.

Dann ging es wieder in die Stadt.

Hier sehen schon die Modelle in den Schaufenstern wie Franz Kafka aus.

Sieht sie nicht toll aus?

Wie aus der Zeit gefallen.

Gregory Corso fällt mir da ein:

An einer Straßenecke zu stehen und auf niemanden zu warten, das ist Power.

Er weiß sich auch allein zu beschäftigen.

Das muss doch zügig getrunken werden damit es nicht verschalt.

Vor ein Rätsel stellten uns die Rinderknochen, die auf fast jedem Tisch standen.

Dieses Lokal hat eigentlich einen eigenen Post verdient.

Nur soviel sei verraten: Es bezieht sich auf die Spezialität des Hauses, die es erst ab Mittwoch gibt:

Aufgesägte, gegrillte Markknochen.

Ich habe ja noch einen Tag Zeit mir zu überlegen, ob ich das probieren will.


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