Dekadenz ist, wenn man sich morgens im Bett fragt, ob man aufsteht und den Nidaros Dom besichtigt oder liegen bleibt und sich die Fotos vom letzten Jahr anschaut.

Ich bin aufgestanden.

Während die Anderen am Ausgang darauf warteten, dass das Schiff anlegt und sie zu den Bussen ihrer Besichtigungsfahrten kommen, habe ich gefrühstückt und bin, als alle weg waren, für einen Bruchteil des Ausflugpreises mit dem Taxi zum Nidaros Dom gefahren.

Im letzten Jahr war da vor dem Eintreffen der Reisegruppen eine richtig tolle Gesangsprobe. Dieses Glück hatte ich diesmal nicht.

Die Orgel wurde instandgesetzt. Mit den hohen Tönen fing es an.

Ein markerschütternder Dauerton. So stelle ich mir Tinnitus vor.

Gut, dass ich durch die 15 Bilder des Kreuzwegs von Håkon Bleken abgelenkt war.

Es gibt viel zu sehen auf seinen Collagen, in denen er den Bogen des Leidens in die aktuelle Zeit schlägt.

Die restlichen 14 zeige ich später.

Mittlerweile war man an der Orgel bei den tiefen Tönen angekommen.

Das hatte was, die Resonanz im Bauch zu spüren und dazu die Ewigkeit zu bedenken.

Dann brach die Gegenwart in Form der Reisegruppe herein.

Noch eben ein Kerzchen angesteckt und dann ab durch die Mitte.

Leider musste ich an allen vorbei und trotz meines freundlichen Morgengrußes wurde ich fragend bis feindselig angeschaut.

Da werde ich jetzt wohl den Ruf als Außenseiter weg haben.

Auf der historischen Holzbrücke kam ich gerade zur rechten Zeit, als die amerikanische Reisegruppe „Overseas Adventures“ zum Gruppenfoto Aufstellung nahm.

Mit denen kann ich gut. Ich weiß schon, wer alles deutsche Vorfahren hat und wie schön es in Bayern ist.

Dass das für mich ein genauso fremdes Land ist wie für sie, behalte ich für mich.

Der Rückweg geht durch die Stadt.

Durch meinen Taxitrick kann ich in Ruhe bummeln.

Diese Puppen sind das einzige, das meine Begehrlichkeit geweckt hat.

Ein Foto muss reichen, ich habe ja schon das Pferdchen und der Koffer ist voll.

Wäre das Schlangenkamel zu verkaufen gewesen, wäre ich vielleicht doch schwach geworden.

Heute Abend sitzen wir zum ersten Mal an festen Plätzen, die für den Rest der Reise gelten.

Meine Freundin in spe von gestern zuckt jetzt zusammen wenn sie mich sieht und guckt dann so komisch anstatt zu grüßen.

Wenn sie mich mit der an einen Alleinreisendentisch packen, bin ich geliefert.

Drückt mir die Daumen.


Eine Antwort zu „Trick 17 in Trondheim“

  1. Avatar von
    Anonymous

    werde ganz fest die Daumen drücken ✊

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