Immer noch im Pays d‘Auge.

Wie immer ist nicht viel los.

Dentelles heißt Spitzen und wenn die nur halb so gut sind wie die Kuhskulptur vor der Tür wird ein Besuch sicher lohnen.

Wir lernen Michel Bouvot kennen.

Er ist Vorsitzender eines weltweit tätigen Klöppelvereins und brennt für seine Sache.

Früher war er Musiker und seine Frau, natürlich auch Klöpplerin, hat aus den alten Kassetten seiner Tonaufnahmen dieses Kleid gestaltet.

Außerdem hat er zum 80. Jahrestags des D-days einen weltweiten Aufruf an alle Klöpplerinnen geschickt mit der Bitte ein Kreuz zu klöppeln.

Er hoffte, dass er 80 zusammenkriegt um sie auf einem Bild so zusammenzufügen, dass es wie ein Soldatenfriedhof am Landungsstrand aussieht.

Er bekam fast 1000 und hat jetzt 12 dieser Bilder.

Alle sind unterschiedlich gestaltet und er hat mir alles genau erklärt.

Auf französisch! Ich bin sprachlich echt an meine Grenzen gekommen.

Da könnt ihr euch jetzt langweiliges Zeug übers Klöppeln ruhig mal auf deutsch durchlesen und es dauert auch nicht eine Stunde.

Dieses ist zum Beispiel besonders kunstvoll, weil es die Fallschirme darstellt, mit denen die Alliierten gelandet sind.

Die großen Kreuze kommen alle aus Amerika. Da hält man sich nicht mit Feinheiten auf.

Ein Kreuz wurde sogar von einem Kind geklöppelt. Es gibt also Nachwuchs.

Ansonsten ist es mit der Klöppelei eine tragische Sache.

Es ist so ein feines und anspruchsvolles Kunsthandwerk.

Um diese ganzen Stecknadeln herum klöppelt man diese Spitze.

Die Klöppel selbst sehen gut aus.

An den Einkerbungen hält die Klöpplerin sie auseinander.

Seit 500 Jahren wird geklöppelt.

Mit der Industrialisierung und den entsprechenden Maschinen starb der Beruf aus und Spitze wurde für jedermann verfügbar.

Dieses Tuch ist berühmt und unbezahlbar, weil da 6000 Arbeitsstunden drin stecken.

Heute wurde man es als Kitsch abtun und es nicht geschenkt haben wollen.

Als Kunsthandwerkerin blutet mir da das Herz.

Ich fand dann doch noch eine Möglichkeit, diese Idealisten zu unterstützen.

Dieser geklöppelte Dackel wurde zu Gunsten der Tierrettungsinitiative „Hilfe für Susi“ verkauft.

Es erinnert mich an den Wackeldackel, den meine Oma mir damals für die Hutablage meines ersten Autos schenkte.

Sie hatte sich bis in die Stadt geschleppt um ihn zu kaufen und war so stolz.

Ich habe mir nicht anmerken lassen wie kitschig ich ihn damals fand und schaue ihn heute noch manchmal mit viel Liebe an.

Diesen Dackel packe ich dazu.

Herr Bouvot wollte mich nicht entlassen ohne mir die Grundzüge des Klöppelns beigebracht zu haben.

Ich muss sagen, es macht wirklich Spaß.

Wenn mir doch nur die Ergebnisse gefallen würden.


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