Und wieder geht es um Romantik.

Ich kann nichts dafür.

Die letzte romantische Mondnacht auf der Terrasse.

Ich habe es geschafft, dass das kleine wild ausgesäte Männertreu links die Hundstage zwischen den heißen Steinen überlebt hat.

Jetzt muss es die gekaufte Pflanze rechts eine Woche im Auto schaffen.

Die Öko Einkaufstasche aus dem Supermarkt stinkt, aber dafür ist die Brücke drauf.

Wir lassen uns Zeit mit der Rückfahrt.

Die erste Etappe geht ins Pays d‘Auge.

Es ist sinnvoll, bei diesen spektakulären Sonnenblumenfeldern daran erinnert zu werden, dass man 70 fahren soll.

Ich weiß gar nicht, wie die Käffer hießen, durch die wir gefahren sind.

Durch Zufall und durchs Internet sind wir zur Mittagszeit in diesem Lokal gelandet.

Hier haben zwei Jungs aus Rennes ein Lokal aufgemacht und kochen wie früher.

Das heißt Araignée (Spinne) und ist ein Zwerchfellsteak vom Kalb. Ein Fleisch, das der Metzger oft für sich zurück hält, weil es eine besondere spinnennetzartige Struktur hat.

Hat sehr viel besser geschmeckt als das Foto ahnen lässt.

Weiter ging es über Land.

Felder, Wiesen, Kühe, Fachwerkhäuser und dann ein Schild „centre ville“.

Das schauen wir uns mal an.

Saint-Pierre-en-Auge, eine imposante Basilika hinter dem stattlichen Rathaus.

Allerdings hat die Stadt schon bessere Zeiten gesehen.

Alles Bruch und Dalles.

Nichts mehr geöffnet.

Auch der Fischhändler nicht.

Kein Mensch auf der Straße.

Das hatte was… romantisches.

Es gab übrigens auch noch eine Einkaufsstraße mit Menschen und geöffneten Geschäften wie die Buchhandlung „Die Freude am Lesen“.

Am Nachmittag erreichten wir unser Hotel in Beuvron-en-Auge.

Angeblich eines der schönsten Dörfer Frankreichs und just an diesem Tag sollte dort eine romantische Nacht stattfinden.

Das wollten wir uns nicht entgehen lassen.

Unser Zimmer war Treppe hoch unterm Dach.

Wir ahnten das Schlimmste bei 35 Grad.

Es war dann aber halb so wild.

Der Raum war verdunkelt und relativ kühl.

Man konnte zwar nur vor dem Bett aufrecht stehen, aber als ehemalige Dachgeschossbewohner sind wir das Herumkriechen in den Schrägen noch gewohnt.

Also auf ins schönste Dorf Frankreichs.

Es sieht irgendwie künstlich aus.

Wie die Filmkulisse eines Westerns.

Die romantische Nacht begann bereits um 18 Uhr.

Eine Jazzband spielte auf.

Die waren super, die haben es echt rausgerissen.

Im Namen des Bürgermeisters bekamen Frauen Rosen überreicht .

Ich habe vergeblich versucht mich wegzuducken.

Es hat mich erwischt.

Der schadenfrohe Lebensgefährte weiß genau, wie ich dazu stehe.

Das ist das Allerletzte! Wo soll man damit hin? Den ganzen Abend rumtragen? Sich womöglich noch um Wasser kümmern?

Und man kann auch so schlecht „nein“ sagen. Weder dem Mann des Herzens noch der lieben alten Dame vom Bürgermeisteramt.

„Jetzt sieh mal zu, wie du fertig wirst mit deiner Rose“, sagt sein Blick.

Ich habe sie mir geschnappt, bin reingegangen, habe ganz emanzipiert unsere Getränke gezahlt und die Wirtin gebeten, sich um die Rose zu kümmern, weil wir auf der Durchreise sind.

Sie hat sich sogar gefreut.

Das war es dann auch schon mit der Romantik.

Die Rose war ich gut los und die romantische Nacht endete noch vor Einbruch der Dunkelheit mit dem Abtransport der Tische und Stühle.


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