Heute bin ich ins Einkaufszentrum gefahren. Widerwillig, aber man muss ja mal vor die Tür und eine Jeans für den Herbst kaufen.

Danach habe ich mich auf eine Bank gesetzt und Passanten beobachtet. Welch ein Gerenne, was für ein Plunder!

Ich war nicht gut drauf.

Schräg gegenüber vor dem Lindt Laden hatte ein Altenheimausflug Rast gemacht. Die Rollstuhlfahrerinnen bekamen von ihren Betreuern kleine Schokoladenstückchen gereicht.

Wie vorsichtig sie danach griffen, sie in den Mund steckten und sie dann langsam und genüsslich auf der Zunge zergehen ließen.

Ich war richtig gerührt.

Wahre Freude ist selten im Einkaufszentrum, glaube ich.

Ich stand auf und ging auf sie zu.

„Na, die ist lecker, die Lindt Schokolade, was?“

Ein Vorteil des Alters, dass mir sowas inzwischen leicht über die Lippen geht und ich mich nicht mehr schäme.

„Darf ich ihnen noch eine Tafel kaufen?“

Erschrockene, skeptische Blicke. Sie suchten den Haken an der Sache.

„Geschenkt?“

„Ja, geschenkt.“

„Einfach so?“

„Ja, einfach so. Welche Sorte mögen Sie denn gerne?“

„Wir kommen mit rein und suchen selbst aus.“

Gesagt, getan.

Im Gänsemarsch ging es ins Geschäft.

Bei den Betreuern habe ich mich dann um wohlgesetzte Worte bemüht, um sie nicht zu brüskieren:

Ich wüsste, welch anstrengende Tätigkeit sie ausüben würden und würde mich freuen, wenn sie auch eine Tafel annehmen würden.

Langsam wich die Skepsis der Freude.

Sowas hätten sie noch nie erlebt, war die einhellige Meinung.

Als ich draußen die Tafeln verteilte, trat man mit einer Bitte an mich heran.

Man wolle über dieses Erlebnis berichten und ein Foto für die Altenheimzeitschrift machen.

Zuviel der Ehre.

„Dürfen wir sie mal drücken?“

Na klar.

Eine Dame weinte sogar.

„Jetzt bin ich schon so alt, aber sowas habe ich noch nie erlebt!“

Eine lumpige Tafel Schokolade! So einfach ist das. Warum macht man das nicht öfter?

Wir trennten uns und jeder zog seiner Wege.

Später sah ich sie noch draußen sitzen.

Sie sahen mich nicht, aber ich hörte sie:

„Für jeden eine Tafel Schokolade! Eine für alle hätte ja auch gereicht.“

„Es war ihr eine echte Herzensangelegenheit.“

Stimmt.


Eine Antwort zu „Tue Gutes und rede darüber“

  1. Avatar von
    Anonymous

    Sehr schön

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