Endlich ist dieser heiße Sommer vorbei.

Die Sonnenblumen sind über 3 Meter hoch geworden.

Wie in jedem Herbst werden Kürbisse gebastelt.

Und als ich genug davon gemacht hatte, packte mich das Reisefieber.
Ich buchte kurzentschlossen eine Studienreise nach Slowenien.
Mit dem Bus sollte es vom München durch die Berge bis an die Adria gehen.
Nicht, dass ich da immer schon mal hin gewollt hätte. Last minute eben.
Beim Einkauf hätte ich schon schalten können, dass sich der Aufenthalt in München bei der Anreise etwas problematisch gestalten könnte.

Selbst in Dortmund werden schon Ingwershots für den Hangover verkauft.
In Bioqualität versteht sich. Nach den vielen Hendln und Haxen.
Auf jeden Fall sah es mit Hotels in München ganz schlecht aus.
So beschloss ich, auf Regensburg auszuweichen.
Man hört ja immer viel, dass das alles nicht mehr so klappt bei der Bahn, aber doch sicher nicht, wenn ich fahre.
Oh doch!
Mein Zug hatte über eine Stunde Verspätung.
Es gab eine Alternative, die zwar deutlich länger dauerte, aber dafür wurde der Zug in Dortmund eingesetzt und ich konnte mir in Ruhe einen der nicht reservierten Plätze aussuchen.

Tschüss Rüdi, du weißt schon, warum du lieber zu Hause bleibst.
Im Laufe der Fahrt füllte sich der Zug immer mehr und es erwies sich als Trugschluss, dass die freien Plätze wirklich frei waren.
Es existierten sehr wohl Reservierungen. Einer nach dem anderen meiner Mitreisenden wurde aufgescheucht.
Ich sank immer tiefer in den Sitz.
Bitte nicht ich! Bitte nicht 6 Stunden stehen!
Ich hatte Glück.
Dafür kriegten die Reisenden nach Frankfurt Flughafen ihr Fett weg, denn der Zug konnte aufgrund einer Streckensperrung da nicht halten und wurde umgeleitet, was weitere Verspätung nach sich zog.

Die zweisprachig vorgetragenen Entschuldigungen und der ausgehändigte Keks vermochten die Reisenden kaum zu trösten.
Der oft erwähnte Riss durch unsere Gesellschaft wurde sichtbar.
Die einen schickten sich stumm in die zweifellos beklagenswerten Umstände, während die anderen laut zeternd das Unvermeidliche beklagten und versuchten, die Stummen aufzuwiegeln und auf ihre Seite zu ziehen.

Hinter Frankfurt leerte sich der Zug.
Eine Dame stieg zu und setzte sich neben mich. Eine beeindruckende Erscheinung.
Grau meliertes Haar, teures Reisegepäck, elegant gekleidet, freundlicher kurzer Smalltalk.
Irgendwann kam der Schaffner,
Hier noch jemand zugestiegen?
Huldvoll reichte sie ihren Fahrschein.
Aber da dürfen sie hier gar nicht sitzen. Hier ist erste Klasse und sie haben nur zweiter.
Ach wirklich? Muss ich mich jetzt etwa woanders hinsetzen?
Eigentlich ja und ich müsste auch eine Gebühr von ihnen fordern, aber bleiben sie mal sitzen.
Kleider machen Leute.

Hinter Nürnberg fing es an zu regnen.
Also Kapuze auf, eine Leberkäs Semmel im gehen gegessen und ab ins Hotel.
Zu mehr reicht es heute nicht mehr.
