Hinter dieser unscheinbaren Tür verbirgt sich eine kleine Kapelle.

Die Klinke gab tatsächlich nach und ich trat ein.

Aus dem geschäftigen Treiben der Fußgängerzone tritt man in einen Raum der Stille.

Statt eines Fürbittenbuches war eine ganze Wand mit Zetteln bestückt.

Ich war dort nicht allein.

Eine Frau warf sich vor jeder Kreuzstation auf die Knie und betete inbrünstig.

Ich stand nur dumm daneben.

Ich bin evangelisch, kann mich nicht bekreuzigen, weiß nicht, wann und wo man knicksen muss und so inbrünstig beten kann ich erst recht nicht.

Die Frau kam lächelnd auf mich zu und drückte mir einen Rosenkranz in die Hand.

Auch damit kann ich nicht umgehen.

Wir müssen alle mehr beten, wenn die Welt noch zu retten sein soll.

So ganz unrecht hat sie wohl nicht.

Ich bekam noch geweihte Plaketten, damit auch meine Freunde mehr beten. (Es melde sich, wer eine möchte)

Zur Erinnerung durfte ich ein Foto von ihr machen.

Mathilde ist Oma und bittet für ihre Enkel um Gottes Beistand.

Ihre Sanftmut, ihre Überzeugung und ihr Missionseifer waren beeindruckend.

Ich wünschte, ich könnte mir auch über irgendwas so sicher sein.

Als wären wir die besten Freundinnen ließ sie mich mit den besten Wünschen und einer ganzen Manteltasche voller Devotionalien zurück.

Was macht man damit?

Ich war überfordert.

Es wäre leicht, sich darüber lustig zu machen, aber es wäre nicht gerecht.

Jeder hat ja so seine kleine Eigenheit.

Im Hotelzimmer holte ich das ganze Zeug aus meiner Manteltasche. Dabei erwischte ich auch meine Kastanie. Als einziges entglitt sie meinen Fingern, prallte am Schuh ab und flog unters Bett.

Ich war entsetzt! Meine Kastanie!

Die erste Kastanie, die wir im Herbst finden, schenken wir uns gegenseitig als Glücksbringer.

Auf keinen Fall kann ich meine Reise ohne sie antreten.

Ich komm in Teufels Küche!

In festem Glauben und mit schmerzenden Knieen kroch ich verzweifelt unterm Bett herum.

Ich habe sie wieder!


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