Diesmal wird es deftig.
Zart besaitete Gemüter, Magenkranke und Vegetarier seien vorgewarnt.
Die Mittagszeit fängt früh an.
Schon kurz nach zehn werden die ersten Bratwürste in der historischen Wurstkuchl gebraten.

Der Grillgeruch zieht weit über das Donauufer.

Ist es noch nicht bald fertig?
Wo sich vor Jahrhunderten Regensburger Arbeiter stärkten, haben heute die Touristen das Regiment übernommen.
Ich zähle selbstverständlich nicht dazu.
Am ersten Tag habe ich aus alter Gewohnheit einen Schweinebraten gegessen.

Als ich zum ersten Mal in Bayern war, habe ich in 24 Stunden vier Mal Schweinebraten gegessen.
Zuerst am frühen Mittag auf einer Autobahnraststätte, weil ich zum ersten Mal den Main überquert hatte. Am späten Mittag kamen wir in Regensburg an und wurden mit einem köstlichen Braten empfangen. Abends gingen wir aus und bekamen wieder Appetit auf was deftiges. Am nächsten Tag wachten wir erst zur Mittagszeit auf und statt Frühstück gab es Schweinebraten.
Damals übrigens noch jeweils mit zwei Knödeln.
Mengenmäßig schaffe ich das heute nicht mehr.
Da muss man Quantität durch Raffinesse ersetzen.
Ich beschloss also das Frühstück ausfallen zu lassen und gleich mit dem Mittagessen anzufangen.

Wurstkuchl ist was für Amateure, ich fuhr zum Gasthof Kneitinger.
Dort wird seit Jahrhunderten Bier gebraut.

Heute nimmt man es auch gerne im Liegstuhl zu sich.
Die scheinen echt Humor zu haben.

So wird eine Bedienung im Fensterglas dargestellt.

So sieht sie in Wirklichkeit aus.
Trotz Personalknappheit die perfekte Wahl getroffen.
Um 11 öffnet die Gaststätte, ich war um halb 12 da.
In der Gaststube waren außer dem Stammtisch noch andere Tische belegt.
Man kannte sich und brüllte von einem Tisch zum anderen. Jeder hatte ein großes Bier vor sich.
Schnell wurde Nachschub bestellt „was weg ist, ist weg“.
Der frisch an der Hüfte operierte Senior zeigte sich schon wieder offen für Flirts. „Lass dich bloß nicht mit einer Verheirateten ein, der Oalde hat a Puffn und erschiesst di.“
Bei Heidi Klum einigte man sich auf den Begriff „Trulla.“
Politische Themen wurden ausgespart, statt dessen wurde die Wurstauswahl beim Bockbieranstich diskutiert.
Ich habe nicht alles verstanden, fühlte mich aber wohl wie der Mops im Paletot.

Statt Schweinebraten bestellte ich saures Lüngerl mit Serviettenknödel.
Wer früher saure Nieren mit Reis gegessen hat, kann auch das mal probieren.
From nose to tail, ich kenn da nichts.
Außerdem verschaffte mir die Wahl Anerkennung bei den Einheimischen, die zuerst etwas gefremdelt hatten
Nur das mit dem Bier habe ich falsch gemacht. Nicht nur, dass ich ein kleines bestellt hatte, es war auch noch ein dunkles.
„Schmeckt das?“ fragten die Profis.
Kurz vor halb eins ging es auf einmal schnell. Die Rechnungen wurden bezahlt, einer ließ sich noch einen Tuppertopf füllen und auf einen Schlag waren alle weg.

Jetzt kamen die Touristen und bestellten Mineralwasser.
Als ich auf die Straße trat, traf mich dieses typische bayrische Mittagsgefühl. Leicht einen drin und ziemlich überfressen.
