Was ich nicht verstehe, ist eine bestimmte Art von Sparsamkeit wohlhabender Menschen.
Allein die Gier nach der Obstschale im Bus und nach allem, was umsonst ist.
Wozu?
Es gab nur zwei geöffnete Restaurants im Ort. Ein großes mit internationaler Küche und ein kleines mit Guide Michelin Auszeichnung.
Für mich war es keine Frage, in welches ich gehe.

Das war die Vorspeise. Tartar von der hiesigen Forelle, keine kleine Portion.
Als Hauptgang gab es Wildschweinkotelett und zum Nachtisch gefüllte Teigtaschen.
Alles zusammen unter 50€. Ich finde, dass ist nicht zuviel.
Dennoch musste ich mir anhören: „Was? Sie waren in dem teuren Lokal?“

Dabei konnte sich das Lokal über Mangel an Zulauf nicht beklagen.
Es wurden Nummern ausgegeben und die Leute warteten vor der Tür.
Ich glaube nicht, dass noch alle reingekommen sind.
Am nächsten Tag ging es zur Weinprobe.
Das Ganze läuft nämlich unter „Genussreise“.

Ein uraltes Weingut mit Holzfässern in einem kleinen abgelegenen Dorf.

Der Wein wird biologisch angebaut und Käse und Wurst kamen aus der Nachbarschaft.
Das kann man doch mal würdigen.
Nachdem das Alphatier in unserer Gruppe den Wein für nicht gut befunden hatte, schmeckte er allen anderen auch nicht mehr.
Natürlich kann man nicht morgens schon mehr als einen halben Liter Wein trinken, wenn man anschließend bei sengender Sonne zwei Stunden über ein schattenloses Salzbeckenfeld laufen soll.
Dafür gibt es Spuckeimer, in die man die Reste kippen kann.
Aber bitte doch kommentarlos und nicht mit „bäh“ und „nee“, nachdem der Winzer gerade erklärt hat, mit wieviel Liebe und Aufwand er seinen Wein gekeltert hat.
Ich habe mich so geschämt, dass ich gleich ein paar Flaschen bestellt habe.
Mir hat es nämlich geschmeckt.
Mit hochrotem Kopf ging es weiter zur Saline.

Ganz da hinten steht irgendwo der Bus.
Wir wurden angehalten, Mückenspray und Sonnenschutz zu benutzen.
Ich hatte Vorstellungen von weißem Salz, das von Männern mit Strohhüten zusammengeharkt wird.
Aber die Saison ist vorüber und die Becken sind mit irgendwelchem schlammigen Zeug bewachsen, dessen Zusammensetzung uns per Audio Guide erklärt wurde.
Ich kann nicht mehr laufen. Ich war die vorletzte. Die letzte war die Dame am Rollator. Gewartet wird nicht.
Morgen sind bei bestem Wetter geschlagene 4 Stunden Busfahrt angesagt, um in Pula ein Amphitheater zu besichtigen. Treppauf, treppab.
Das sollen sie mal schön ohne mich machen. Ich melde mich ab.
Die Dame mit Rollator übrigens auch.
