Wieder daheim aus Triest spuken mir Gedanken über Mode, Kunst und Handwerk durch den Kopf.

Ich fang mal einfach an:

Wo findet man noch solch einen klassischen Hutladen?

Warum eine italienische Firma einen deutschen Namen hat, habe ich nicht rausgekriegt.

Es macht einfach Spaß, gut gekleidete Menschen und schöne Geschäfte anzuschauen.

Da haben sie hier was von weg.

Es gibt sogar ein eigenes Museum für Mode und Design.

In einem historischen Gebäude ist ein einzigartiges Archiv von Werken der textilen Avantgarde untergebracht.

Der internationale Talent Support ITS veranstaltet einmal im Jahr einen weltweiten Wettbewerb.

Die Werke der letzten 10 Finalisten werden in einer Ausstellung präsentiert und man kann über den Sieger mit abstimmen.

Ich war sehr gespannt, was die Enkelgeneration heute so macht.

Mode, Kunst und Design war immer mein Thema.

Meine Arbeiten sollten schön, zweckmäßig und bequem sein, die „Kunst“ sollte sich der Funktion unterordnen.

Diesen Pullover habe ich seinerzeit für eine Gemeinschaftsausstellung mit einem Bildhauer gemacht.

Das war das äußerste an „Untragbarkeit“, das ich mir je zugestanden habe.

Eine Freundin war da mutiger. Sie kreierte extravagantere Sachen und trug sie auch.

Ein guter Kompromiss war für mich dieser Pullover. Die geschnitzte Hornschulter wärmte zwar nicht so wie der restliche Pullover, aber so konnte man schon mal zum Bäcker gehen.

Ich habe mich gefreut, dass besagter Bildhauer den Pullover gerne haben wollte und ihn getragen hat bis er auseinander fiel.

Das ist das, was ich mir für meine Arbeiten wünsche.

Eben hat es hier geschellt.

Der Nachbar brachte ein Paket vorbei.

Er trug einen Pullover von mir.

Das selbst gefärbte Garn ist inzwischen etwas verschossen, aber das ist nach über 40 Jahren auch ok.

Wenn jemand in aktueller Herrenmode vor mir gestanden hätte, hätte ich die Tür wahrscheinlich gleich wieder zugeknallt.

Schauen wir uns das mal genauer an.

Die Tasche finde ich richtig gut. Schlichtes braunes Leder und erst auf den zweiten Blick entdeckt man ein angebissenes Toastbrot.

Ich verstehe aber nicht, warum sie nur so einen kurzen Reissverschluss hat. Da kann man doch gar nichts reintun.

Schade, dass das Kunst ist. Das hätte auch ein richtig schöner Gebrauchsgegenstand werden können.

Ganz anders sieht es bei dem Oberteil aus.

Diese Kombination aus Hoody und Unterwäsche sollte meiner Meinung nach die Museumsmauern besser nicht verlassen.

Ich habe nachgelesen:

Der hohe Beinausschnitt soll daran erinnern, wie Mutti einem früher die Buxen zu hoch in den Schritt gezogen hat.

Das Ganze heißt „breadwinner“ (Ernährer) und soll das Männerbild infrage stellen.

Das hat geklappt.

Weil der Typ offensichtlich Humor hat, habe ich ihm meine Stimme gegeben.

Die anderen Exponate waren mir zu normal

Oder zu überkandidelt

Das wäre mein Platz 2 gewesen, aber wer will schon die Ecke eines Lederkragens im Halse stecken haben?

Als Künstler muss man sich heutzutage gut selbst darstellen können.

In einem Film sollte man nicht nur seine Arbeiten erklären, sondern auch noch ein selbstgeschriebenes Gedicht vortragen.

„The Power of beeing seen“ heißt passenderweise die Ausstellung, die außer dem Nachwuchswettbewerb noch zu sehen war.

Stars wie Lady Gaga oder Harry Styles erarbeiten mit Modeschöpfern und Stylisten umfangreiche Konzepte für ihre Bühnenpräsenz.

Es wird gezeigt, welcher Aufwand für ein Bühnenoutfit getrieben wird.

Vom Konfektionsständer im Hotelzimmer…

…bis auf den roten Teppich.

Die Hauptattraktion war der Original Anzug von Harry Styles.

Der sieht ja noch ganz bequem aus.

Vielleicht fragt der Herr sich gerade, ob das auch was für ihn sein könnte.

Dann aber in dunkelblau.


Kommentar verfassen