Die Fotos von gestern müssen noch verarbeitet werden, deshalb heute mal einen Text, den ich im Stubenarrest der Hitze aufgeschrieben habe.
Wir sind erstaunt und gerührt wie freundlich die Franzosen hier sind.
Überfordertes Servicepersonal in Touristenhochburgen mag anders reagieren, aber wir haben durchweg gute Erfahrungen gemacht.
Sie lächeln alle wie Kylian Mbappé und haben die Ruhe weg.
Dabei geben wir durchaus Anlass zu Kritik und Ungeduld.
Der Höhepunkt war unser Versuch, am Supermarkt zu tanken.
Eigentlich zahlen wir inzwischen alles mit Handy oder Uhr und das klappt selbst auf dem Wochenmarkt und beim Bäcker.
Kleine Abschweifung:

Dieser Bäcker hat einen historischen Bruchsteineingang zur Backstube und ein Kartenlesegerät.
Falls doch jemand bar zahlen möchte, muss man das Geld in diesen Automaten einwerfen und bekommt dort auch Wechselgeld zurück. Hygienisch einwandfrei.
Mit allem hätte ich gerechnet als ich nur Kopfschütteln für die dargebotenen Münzen erntete. Wollen die mir das Brot schenken?
Mit besagtem Mbappé Lächeln wurde ich auf den Automaten hingewiesen.

Zurück zum tanken.
Bei guten Bäckern und den wenigen Tankstellen ist die Schlange immer lang.
Als wir endlich dran waren, nahmen wir mit vereinten Kräften die Tanksäule in Augenschein. Bar und Kartenzahlung waren möglich, aber nur indem man eine richtige Karte einsteckte. Die hatten wir nicht dabei. Bargeld konnte man nirgendwo einführen. Es gab noch einen Scanner für ein „Billett.“ Verzweifelt hielten wir die Uhr davor. Erwartungsgemäß tat sich nichts.
Wir stiegen wieder ins Auto und gingen zur Information des Supermarktes zu dem die Tankstelle gehört. Mir fiel weder die Vokabel für Tankstelle noch für Benzin ein. Wie ein Vollidiot sagte ich „Voiture, card“ machte eine Tankgeste und schüttelte den Kopf.
Diesmal lächelte Mbappé nicht sondern lachte lauthals und ergoss einen freundlich erklärenden Redeschwall über mich.
An meinem Gesicht sah er, dass ich nur Bahnhof bzw Tankstelle verstanden hatte. Er schaute mich mitleidig an und wünschte viel Glück.
Auf dem Weg zurück zur Tankstelle rekapitulierte ich seine Worte. Der Groschen fällt immer langsamer.
An dem ehemaligen Kassiererhäuschen sind mehrere Automaten angebracht. Irgendwas mit Gasflaschen und Pfand und eben auch „Billet“. Den hätten wir in hundert Jahren nicht gefunden.
Angespannt steckten wir 3 Zwanziger in das Gerät und erhielten tatsächlich ein Billett.
Zurück damit in die Schlange vor der Zapfsäule. Jetzt muss alles klappen.
Wir hatten Zeit genug die Vorgehensweise durchzugehen.
Billet vor den Scanner halten, Zapfhahn wählen und tanken.
Kann ja nicht so schwer sein.
War es aber. Ich muss wohl die falsche Zapfpistole erwischt haben oder eine Frage nicht oder zu langsam beantwortet haben.
Der Vorgang wurde abgebrochen.
Verzweifelt schaute ich auf den hinter mir wartenden Fahrer und erwartete einen Anschiss.
Er lächelte und stieg aus um uns zu helfen.
Von der gegenüberliegenden Zapfsäule kam eine Frau, die etwas deutsch sprach und nun auch dort für einen Stau sorgte.
Mit vereinten Kräften versuchten die beiden, unser Auto zu betanken. Alles zig mal eingegeben, aber im entscheidenden Moment floss kein Benzin.
Die Beiden kannten sich wohl und begannen über dies und das zu plaudern.
Keiner in den heißen wartenden Autos machte einen Mucks.
Die Geduld wurde nicht belohnt. Es ging nicht. Inzwischen wurde der 60€ Beleg auch als erledigt zurück gewiesen.
Die Dame drohte mit der Faust: „Ich will mein Geld zurück“. Das sollte ich so an der Supermarktinformation sagen.
Gesagt, getan.
Natürlich habe ich freundlich gefragt. Inzwischen waren mir die entsprechenden Vokabeln auch wieder eingefallen.
Die Dame an der Information ging zu Kassiererin Isabelle.
Die musste ihre Kunden stehen lassen und mit uns zur Tankstelle.
Gottseidank an eine freie Zapfsäule.
Anhand der Tankanzeige sah sie, dass wir nicht getankt haben konnten und so bekamen wir endlich unser Benzin.
Wir bedankten uns herzlich. Sie wünschte uns noch einen schönen Urlaub und ging mit Mbappé Lächeln durch die Gluthitze zurück an ihre Kasse.
Ich will, dass Frankreich Weltmeister wird.
