Interessant wird es erst zum Schluss. Durchhalten!
Heute wurde mir der Unterschied zwischen einer Gruppenreise und meiner Art zu reisen so richtig bewusst.
Im Hotel waren auffallend viele Schotten.

Wer schon im Kilt rumläuft, will doch angesprochen werden!
Aber nein, die Gruppe stand nur beeinander und tuschelte, weshalb die wohl hier wären.
Ich habe dann mal einen gefragt und er nahm auch gleich bereitwillig Haltung an für ein Foto.

Im Rahmen der UEFA Nations League spielte Schottland gegen Slowenien.
Es ging unentschieden aus, ein Riesenerfolg für Slowenien.
Ich vermute, dass die Schotten als nächstes gegen Nordmazedonien spielen, denn einer erzählte mir im Fahrstuhl, dass er sich für Nordmazedonien unbedingt wärmer anziehen müsse.
Das ist genau die Art von Kontakt, die ich liebe. Kurz und herzlich.
Am nächsten Tag war Stadtführung.
Ohne mich.
Ich mag nicht dumm rumstehen und mich per Audio Guide mit Daten und Fakten beschallen lassen, die ich sofort wieder vergesse.
Ich sagte, ich könne nicht laufen und zog alleine los.

Mitten in der Fußgängerzone entdeckte ich diesen Haufen vertrockneter Pflanzen.
Was soll das denn? Erntedankfest? Jemand gestorben?
Nein, ein Blumenstand der besonderen Art.
Der Mann in der Mitte ist der Inhaber.
Er bemerkte mein Interesse und hielt mir einen ganz langen Vortrag über alte Handwerkstechniken und Traditionen.
Ich verstand nur Bruchstücke, war aber gerührt von seinem unkommerziellen Auftreten und kaufte ihm das kleine Sträußchen für 6€ ab.
Ich hoffe, es übersteht die Heimreise.

Später habe ich im Internet recherchiert.
Das kleine Sträußchen ist ein Ljubljaner Butarice.
Es wird seit 150 Jahren aus gefärbten Fichtenspänen ursprünglich für Palmsonntag angefertigt.
Das soll einer verstehen auf Englisch.
Der Inhaber ist einer der letzten Trockenblumenverkäufer Sloweniens und viele Einheimische kaufen bei ihm.
Es gibt einen Zeitungsartikel über ihn, weil am 15.07.2024 sein Stand in Brand geriet.
Ein Eingreifen der Feuerwehr war nicht erforderlich, weil man aus den umliegenden Boutiquen sofort heraus gestürmt war, um das Feuer zu löschen.
Er scheint beliebt zu sein, der Mann, der sein Geschäft nur aus Liebhaberei betreibt.
Ich mag mir nicht vorstellen, was passieren würde, wenn er einen schicken Stand hätte und die Asiaten ihn entdecken würden.
Aber dazu ist er nicht der Typ. Er wird weiter sein Einpackpapier unter seinem Haufen hervorkramen.
Für die Zeitung wollte er sich nicht fotografieren lassen, aber ich durfte.

Tja und das ist jetzt mein Artikel über die Hauptstadt Ljubljana geworden.
