Erster Stop des Tages in Maribor.

Hier gibt es die angeblich älteste Weinrebe der Welt.

450 Jahre alt, gestern erst wieder abgeerntet.

Der Wein daraus soll nicht besonders schmecken, wird aber dennoch an Liebhaber verkauft.

Weiter auf die österreichische Seite der Steiermark, wo eine Ölmühle besichtigt wurde.

Das Beste war die rote Mütze.

Was die mit ihren ausgepressten Kürbiskernen machen, interessiert mich nicht besonders.

Trotz großzügigem Begrüßungsschnaps habe ich mich nicht zum Kauf hinreißen lassen. Das Oel von Edeka schmeckt mir besser.

Leicht angesäuselt wurde nun ein Weingut angesteuert.

Der Busfahrer vollbrachte wahre Meisterleistungen auf den engen Straßen.

Im Gegensatz zum slowenischen Weingut wurde hier kein Spucknapf hingestellt.

Wenn man den nächsten Wein probieren wollte, musste man den alten zuerst austrinken.

Das blieb nicht folgenlos.

Soll ich wirklich erzählen, was dann passierte?

Ach komm, wir sind ja unter uns.

Von den Höhen kunstbeflissener Konversation sackte das Gespräch durch zu Sex und Toiletten.

Auf der Männertoilette hing ein Kalender mit barbusigen Frauen.

Die Männer beeilten sich mitzuteilen, dass das trotz des angenehmen Anblicks natürlich ein Schlag in das Gesicht jeder emanzipierten Frau sei.

Die emanzipierten Frauen hingegen hatten schon soweit die Façon verloren, dass sie maulten, sie wollten auch so einen Kalender.

Schöne Männer…ah….mit Muskeln…hmm.

Abgründe tun sich auf.

Mir lief es eiskalt den Rücken runter.

Als sich herausstellte, dass es sehr wohl eine Damentoilette gab, auf der auch ein Kalender mit halbnackten Jungbauern hängt, war ich es, die als erstes hinging, um ein Foto davon für alle zu machen.

Das Ergebnis wurde kontrovers diskutiert.

Ich stand allein auf weiter Flur mit meiner Ansicht, dass ein definierter Oberkörper nicht über das Grinsen und die billige Geste mit dem Fernglas hinwegtäuschen kann.

Die Frauen waren reine aus dem Häuschen, die Männer schwiegen.

Angekommen in Graz erfuhr ich eine unerwartete Aufwertung vom Hotel.

Gast des Tages!

Ein Zimmer Upgrade, eine zusätzliche Flasche Wasser und eine Manner Waffel.

Nicht Männer, Manner!

Sowas habe ich auch noch nicht erlebt.

Vermutlich weil ich für die zusätzliche Nacht eine bessere Kategorie gebucht hatte als Studiosus und nicht umziehen wollte, hat man mir als „Gewinnerin“ ein nochmal besseres Zimmer gegeben, damit es keinen Ärger mit dem Rest der Gruppe gibt.

Ich bleibe nämlich eine Nacht länger und fliege direkt nach Düsseldorf statt mit dem Bus nach München und am nächsten Tag mit dem Zug nach Hause zu fahren.

Das letzte Abendessen mit der Gruppe wäre eigentlich einen eigenen Post wert gewesen.

Einige Paare saßen schweigend neben anderen schweigenden Paaren.

Wenn man schon nebeneinander sitzt, dann sagt man doch irgendwas, oder?

Das gebietet doch der Takt.

Ich jedenfalls gebe mir da große Mühe, manchmal vielleicht sogar zuviel.

Diesmal hatte ich es leicht. Der Reiseleiter plauderte sehr unterhaltsam aus dem Nähkästchen.

In seinem Fahrwasser wurden auch Leute, die keine zehn Sätze auf der gesamten Reise gesagt hatten, gesprächig.

Eine ungewohnte Nähe kam auf den letzten Drücker auf.

Ich wollte einen polnischen Abgang machen und habe nur denen, die „bis morgen“ sagten, gesagt, dass ich morgen nicht mehr da bin.

Viermal, ich habe mitgezählt, wurde ich daraufhin umarmt und geküsst und mit den besten Wünschen verabschiedet.

Mir blieb die Spucke weg.

Was ist denn nun los?

Ich dachte, die ziehen nur über mich her.

Sogar der angeberische Manager mit der eigenen Wikipedia Seite, dem ich zu Anfang in herzlicher gegenseitiger Geringschätzung zugetan war, drückte mir ein Küsschen auf die Wange.

Was Alkohol doch ausmacht.

Von der Namensliste kann ich drei Ehepaare immer noch nicht zuordnen.

Vom Reiseleiter dachte ich, dass er mich auf dem Zug hätte, weil ich mich dauernd abgemeldet habe.

Aber auch wir haben nett geplaudert und zum Abschied meinte er:

„Schade, dass sie so eine Reise wohl nie wieder machen werden.“

Wie kommt er nur darauf?


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