Ziel eines jeden Urlaubs ist es, ein wirklich originelles und authentisches Restaurant zu finden.

Die Fischlokale an der Promenade sind ok, aber in den Seitenstraßen finden sich die wahren Perlen.

Da, wo die Tische aufgetürmt sind, ist das Restaurant Neptun.

Es hat schon geöffnet.

Im leeren Gastraum sitzt der Patron über seinen Büchern.

Wir warten bis er aufschaut.

Das dauert.

Einen Tisch für zwei Personen? fragen wir siegessicher in Anbetracht des leeren Lokals.

Nein, ausgebucht.

Aha.

Auch draußen nicht?

Draußen is nicht, antwortet er auf deutsch.

Alles klar.

Wir lassen uns nicht abschrecken.

Dann reservieren wir eben für morgen.

Na, warten sie mal.

Er blättert in seiner Kladde, rechnet und wägt ab und auf einmal bekommen wir doch noch einen Tisch.

Wir bestaunen seine Flaschensammlung.

Stalin, Che Guevara und die Geliebte von Mussolini. Eine politische Gesinnung lässt sich daraus nicht ablesen.

Nun kommen auch die anderen Gäste. Viele Einheimische.

Einer bringt eine große Tüte Salat mit, vermutlich eigene Ernte, ein anderer stellt seinen eigenen Wein auf den Tisch, der wie selbstverständlich vom Kellner geöffnet und eingeschenkt wird.

Als der Patron persönlich dann mit zwei Wolfsbarschen auf dem Finger vor mir steht, ist meine Wahl klar.

Dieses Carpaccio ist frisch!

Neben uns sitzen zwei Männer mit einem kleinen Jungen. Sie bekommen eine große Fischplatte.

Was das denn sei, fragen wir.

Eine Fischplatte. Allerdings für 4 Personen.

Diese Italiener essen immer soviel.

Wir bestellen als Hauptspeise Risotto mit Meeresfrüchten.

Viel Mühe mit der Präsentation gibt man sich nicht, aber es war köstlich.

Deshalb möchten wir auch für den nächsten Tag einen Tisch reservieren.

Es ist wohl noch was frei, aber es kommt eine Gruppe von Italienern, die sind immer sehr laut.

Macht nichts.

Am nächsten Tag werden wir gefragt, ob wir nicht doch lieber nach draußen wollen.

Ja gerne.

Es werden nur für uns Tisch und Stühle aufgestellt und alle, die danach keinen Platz mehr bekommen, schauen verständnislos auf den ungenutzten Stuhlstapel neben uns.

Ob er die Markise ausfahren solle, werden wir beim zweiten Gang gefragt.

Nö, hier ist ja keine Sonne.

Natürlich nicht wegen Sonne! Sonne nur eine Stunde am Tag. Wegen Vögel! Scheissen wie Bombe!

Das sagt er uns ja früh.

Entweder ist er kein Menschenfreund oder er hat zum Ende der Saison sein Pulver verschossen.

„Diese Italiener! So laut!“ seufzt er als er sich einen Moment bei uns vor der Tür erholt und rollt mit den Augen als die nächsten Gäste im Anmarsch sind, denen er verklickern muss, dass nichts mehr frei ist.

Ein richtiger Luxus, sein Missbehagen so unverblümt zur Schau stellen zu können und sich nicht zu falschfreundlicher Höflichkeit zwingen zu müssen.

Mir ist er ausgesprochen sympathisch.

Bei Gault Millau und Falstaff scheint er auch gut anzukommen.


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