Es geht schon wieder auf Tour.
Dank meiner Vorarbeit findet Rüdiger Slowenien jetzt auch ganz gut und bevor das Hotel Ende Oktober über den Winter schließt, fahren wir einfach nochmal hin.
So könnte man das Thema Gruppenreise doch noch zu einem guten Abschluss bringen.
Also buchte ich alles ein. Hinflug nach Venedig, Transfer nach Piran, von da aus nach Triest und von da aus über Frankfurt nach Hause.
Nie hätte ich gedacht, dass ausgerechnet die Lufthansa Probleme machen würde.
Vergeblich suchte ich in meiner Buchung nach der Rail&fly Option.
Das wurde doch ausdrücklich so angeboten.
Ich kämpfte mich durch die Lufthansa Seiten. Wenn man direkt auf die Rail&fly Seite ging, wurde der Flug mit dem Aufpreis von 35€ angezeigt.
Ich hätte ihn buchen können, wenn ich nicht schon eine Buchung gehabt hätte.
Also rief ich bei der Lufthansa an.
Die können innerhalb von 24 Stunden den Flug wieder stornieren.
Wenn man jemanden an den Apparat bekommt.
Zuerst kommt… die KI.
Man ist ja Kummer gewöhnt.
Drücken sie die 1, buchstabieren sie ihren Namen und Buchungscode.
Der Vorgang dauert eine gefühlte Viertelstunde.
Dass die KI so tut, als würde sie alles auf einer mechanischen Schreibmaschine eintippen, treibt mich zur Weißglut.
Endlich erkennt sie, dass sie bei Rail&fly nicht weiterhelfen kann und verbindet mit einem Menschen.
Ich schildere mein Anliegen.
Hm, das verstehe ich auch nicht. Moment bitte.
Tut tut tut, ich bin aus der Leitung geflogen.
Anruf 1 beendet.
2.Versuch:
Durch den Reisberg der KI kämpfe ich mich wieder in das vermeintliche Schlaraffenland menschlicher Mitarbeiter.
Und tatsächlich! Ein kompetenter Mitarbeiter! Er stornierte meinen Flug und versprach vollständige Erstattung.
Ich solle über die Rail&fly Seite einfach neu buchen.
Inzwischen war es da aber auch nicht mehr buchbar.
Der normale Bahntarif kostet das Vierfache, da verstehe ich keinen Spaß.
Also Anruf 3.
Die KI verbindet mich mit einem netten Herrn, der Verständnis für mein Problem zeigt, aber leider nicht zuständig ist.
Er verbindet mich weiter mit einem weit weniger eloquenten Mitarbeiter, was daran liegen mag, dass er kaum deutsch spricht. Ich schildere mein Anliegen ganz langsam in einfachen Worten.
Er schweigt.
Dann nennt er meinen Namen.
Korrekt.
Pause.
Triest – Frankfurt.
Ja.
Noch längere Pause.
2 Personen.
Ja.
Schweigen
Ich erwäge aufzulegen, aber er kommt mir zuvor.
Es ist schon spät , da ist wohl nicht mehr die erste Garde am Start.
Aber ich will es jetzt wissen.
Anruf 4
Meinen Buchungscode kann ich inzwischen auswendig. Die KI tippt fleißig.
Ich werde mit einer Frau verbunden. Offenbar im Homeoffice. Im Hintergrund schreit ein Kind.
Ihr Headset scheint sie aus der Spielkiste genommen zu haben, ich verstehe kein Wort, schildere dennoch tapfer mein Problem.
Ja, dann geht das eben nicht mit Rail&fly.
Wenn man mir nicht helfen kann oder will, erwarte ich wenigstens Mitleid und keine patzige Antwort.
Ich gebe nicht auf.
Anruf 5
Buchungscode, Name, Vorname, Mailadresse
Wieder eine Frau. Ihr fällt auf, dass da was nicht stimmt. Sie probiert und probiert, nichts geht. Wenigstens gibt sie sich Mühe. Sie nennt sogar ihren Namen und verspricht, mich am nächsten Tag gegen 14h anzurufen.
Der nächste Tag.
Was passiert?
Nichts!
Ich warte bis zum Abend.
Anruf 6
Hallo KI, ich bin’s wieder. Leider kann sie sich nicht an mich erinnern und tippt wieder alles ein. Ich sollte mal meinen Blutdruck messen.
Diesmal ein Mann mit bayrischem Akzent und einer fröhlichen Jovialität, die dem Ernst meines Anliegens nicht angemessen ist.
Er hält mich für eine dusselige alte Frau.
Wir gehen das jetzt mal schön zusammen durch.
Parallel geben wir die Daten ein und natürlich geht es nicht. Auch bei ihm nicht.
Der Ton wird aggressiver. Meiner leider auch.
Das geht nicht.
Sag ich doch.
Dann kann man das nicht buchen.
Sie können doch nichts anbieten, was sie nicht buchen können.
Wo kann ich mich beschweren?
(Nirgendwo. Es gibt keine Mailadresse. Das wird einem natürlich nicht gesagt, sondern man wird auf eine multiple choice Seite verwiesen)
Er bietet an, meinen Flug zum zweiten Mal kostenlos zu stornieren.
Die Rückerstattung kann etwas dauern, warnt er vor.
6 Anrufe und ich stehe mit leeren Händen da!
In meiner Not wende ich mich an ChatGpt.
Da erfahre ich, dass es eine technische Störung seit Anfang Oktober gibt und bekomme den entsprechenden Artikel aus dem Focus verlinkt.
Das darf ja wohl nicht wahr sein.
Die eigenen Mitarbeiter wissen nicht, was bereits in der Zeitung steht?
ChatGpt verspricht, jeden Tag zu prüfen, ob der Fehler mittlerweile behoben ist.
Nach zwei Tagen vergisst er es.
Darauf hingewiesen wird die Maschine pampig und rät, ich solle jetzt endlich was anderes buchen.
Ich denke nicht dran und melde mich bei Claude an.
Claude will auch zuerst nicht glauben, dass man rail&fly nicht buchen kann, findet dann aber eine Lösung.
Man muss Dortmund Hauptbahnhof als Zielflughafen eingeben, dann bekommt man ein durchgehendes Ticket.
Da soll einer drauf kommen!
Die Reisehürden werden immer höher.
